Dienstleistungsvorbild Südafrika „Work is Love made visible“

Rainer Wälde

Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,

lange haben wir uns auf diese Reise gefreut: zwei Wochen Südafrika; Natur und Kultur mit Sonnengarantie und angenehmem Klima. Eine Kundin hatte uns von einem neu eröffneten Gästehaus in der Nähe von Kapstadt erzählt. Ein deutsches Ehepaar, beide Anfang 40, waren vor kurzem ausgewandert, um sich in dem Ort Somerset eine neue Existenz aufzubauen. Am Ziel angekommen, erwiesen sich beide als passionierte Gastgeber, wir fühlen uns vom ersten Tag an wohl. Dazu eine grüne Gartenoase mit Blick auf das Kap der guten Hoffnung – Erholung pur.

Mit wachen Augen registrieren wir auch die starken sozialen Gegensätze. Direkt nach der Ankunft passieren wir beim Flughafen eine Stadt aus Wellblech-Hütten. Rund eine Million Menschen sollen dort leben, genaue Zahlen kennt niemand: viele Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten auf der Suche nach Wohlstand oder zumindest sozialem Aufstieg.

Unsere Gastgeber empfehlen uns in der Nähe ein Restaurant in italienischem Stil. Dort begrüßen uns die Mitarbeiter mit wachem Blick, leuchtenden Augen und einer ungewohnten Aufmerksamkeit. Der Service läuft sehr schnell, die Motivation scheint zu stimmen. Besonders auffällig sind die T-Shirts, die alle Mitarbeiter tragen. In großen Buchstaben steht auf dem Rücken: „Work is Love made visible“ – übersetzt: „Arbeit ist sichtbar gewordene Liebe“. Wir merken sofort, dass dieser Slogan nicht nur ein aufgedrucktes Statement ist, sondern eine Grundhaltung spürbarer Wertschätzung. Als Gäste können wir dies an vielen kleinen Gesten erkennen.

Ich träume davon, dass diese innere Einstellung auch in unserer deutschen Dienstleistungsgesellschaft Einzug hält. Ich sehne mich nach Menschen, die ihre Arbeit lieben. Bei ihnen kaufe ich gern ein und freue mich, wenn sie beim Bedienen auch an mir verdienen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr



Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge