Der Ich-Anfang im Brief

Der Ich-Anfang in einem Brief war früher wirklich so etwas wie eine „Briefstil-Todsünde“. Aber der Beginn eines Briefes mit „ich“ gilt heute nicht mehr wie früher als egozentrisch oder angeberisch. Und: Der Stimmungswandel ist auch noch recht jung. Für moderne (Geschäfts-) Korrespondenz empfiehlt Ihnen der große Knigge: Schreiben Sie, wie Sie sprechen ungekünstelt, nicht geschraubt.

Beispiel:
Wenn Sie jemanden nach langer Zeit treffen, werden Sie vermutlich zu ihm sagen: „Guten Tag (Hallo) Martin, ich habe dich ja ewig nicht mehr gesehen.“ Oder: „Ich freue mich riesig, dich endlich einmal wieder zu treffen.“ Das ist spontan, herzlich und trotz des „Ich“ am Anfang nicht unhöflich.
Ebenso ist das heute bei Briefen. Wäre nach längerer Zeit ein Kontakt beispielsweise telefonisch wieder aufgenommen worden, der danach mit einem Brief oder einer E-Mail weitergeführt wird, ist ein entsprechender Anfang: „Lieber Martin, ich habe mich riesig gefreut, dass du nach so langer Zeit angerufen hast“ weitaus „normaler“ als die krampfhafte Vermeidung des Ich-Anfangs mit: „ ...darüber, dass du ... habe ich mich riesig gefreut.“

Ich-Anfang ja, aber nicht immer
Moderner Briefstil, besonders bei der Geschäftskorrespondenz, bedeutet aber nun nicht, den Ich-Anfang als das neue Nonplusultra zu forcieren. Besonders in Schreiben an Fremde oder bei Briefen an sehr distanzierte Personen ist ein Einstieg mit „Sie“ oder „vielen (herzlichen) Dank“ die bessere Wahl.

Ich-Anfänge sind dann angebracht, wenn ein anderer Satzbau gekünstelt oder eine spontane Gefühlsäußerung authentischer wirkten würde.

Beispiele:

  • Liebe Frau Schulz, ich freue mich sehr für Sie, dass Ihr Wunsch in Erfüllung gegangen ist!

  • Sehr geehrter Herr Meiners, ich bin begeistert über Ihre Präsentation!