„Hole gerade die Liebe meines Lebens ab”

Vor allem zu Stoßzeiten wie am frühen Morgen und am späten Nachmittag herrscht auf den Straßen Roms das pure Chaos. Das größte Problem im römischen Stadtverkehr sind seit eh und je fehlende Parkplätze. Das Parken in zweiter, dritter oder gar vierter Reihe ist an der Tagesordnung.

Die Folge: Wütende Hupkonzerte derer, die ihren Wagen völlig eingekeilt zwischen einem Fiat Uno und zwei Lancia Y vorfinden. Jetzt scheinen die Menschen aus der italienischen Hauptstadt jedoch eine neue Nettigkeit entdeckt zu haben: Das Geheimnis der veränderten, menschlicheren Umgangsformen sind schlicht „biglietti” (Zettel), die hinter der Windschutzscheibe hinterlassen werden und den Grund des unrechtmäßigen Parkens erklären.

„Ich bin beim Metzger und komme in fünf Minuten wieder”, ist da zu lesen oder „Trinke Kaffee in der Bar Piave bin gleich zurück”. Damit weiß die zugeparkte Person Bescheid und sieht immer öfter vom lautstarken Druck auf die Hupe ab.
Außerdem haben die Kurznotizen auch einen Kosten sparenden Effekt.

Wer falsch parkt, und ein „biglietto” hinterlässt, muss nur 33 s Bußgeld zahlen. Ohne müssen stolze 68 s hingeblättert werden.

Viel Fantasie
Sie scheint bei den Kurz-Mitteilungen keine Grenzen zu kennen. Je witziger die Begründung für das quere Parken ist, desto weniger ärgern sich schließlich die Eingekeilten. So war kürzlich im Fenster eines ziemlich störend abgestellten Smart vor dem Hauptbahnhof Termini zu lesen: „Ich bin am Gleis 22, um die Frau meines Lebens abzuholen. Entschuldigung!”

Ein gewiefter Fahrer eines Alfa Romeo hinterließ gleich seine Handy-Nummer, mit der Bitte: „Ruft mich an!”. Kontakt knüpfen auf römische Art. Chaotischer Stadtverkehr und freches Parken können manchmal auch zum Schmunzeln anregen wenn das Ganze nur nett genug verpackt wird.