Ist der Händedruck für Hinterbliebene am Grab Pflicht?

Die Redaktion des großen Knigge wurde kürzlich folgende Leserfrage gestellt:

Ich habe gelernt, dass man bei einer Beerdigung auf jeden Fall am Schluss der Trauerzeremonie zu den Hinterbliebenen ans Grab geht und ihnen mit einem Händedruck kondoliert. Einige in meinem Freundeskreis, wir gehören alle der älteren Generation an, sind der Meinung, das müsse heute nicht mehr sein. Ist der Händedruck am Grab nun Pflicht oder nicht?

Hier die Antwort des großen Knigge:

Diese Frage kann nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet werden. Es hängt davon ab, welche Wünsche die Hinterbliebenen haben. Bekommen Sie eine Todesanzeige oder lesen Sie in der Zeitung den Vermerk mit einem Zusatz wie: "Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen", sollten Sie es sogar als Pflicht betrachten, auf den Händedruck zu verzichten.

Sonst ist es allgemein üblich, an den Hinterbliebenen am Grab nicht ohne einen Händedruck vorbeizugehen. Als Pflicht kann es trotzdem nicht bezeichnet werden. Falls Sie darauf verzichten möchten, ist dies eine Möglichkeit: Treten Sie am Schluss der Trauerzeremonie gar nicht ans Grab. Dies sollten Sie aber nur unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht ziehen. Zum Beispiel wenn Sie nur eine sehr flüchtige Bekanntschaft mit den Hinterbliebenen verbindet oder wenn die Trauergemeinde sehr groß ist.