Sagt man wirklich wieder "Gesundheit"?

In den Medien ist das Gerücht aufgekommen, dass man wieder immer und überall "Gesundheit" wünschen soll. Einige skeptische Leserinnen und Leser des großen Knigge haben die Redaktions-Hotline genutzt und nachgefragt: Stimmt das wirklich?

Die Antwort: Nein.

Sicher kennen Sie auch den Typ Mensch, der mittags überall – sogar vor den WC-Räumen – lauthals "Maaahlzeit" wünscht. Sobald jemand niest, nutzt ein solcher Zeitgenosse den Vorfall, um mit tiefer Stimme und Militärston unüberhörbar "Gesundheit" zu rufen – so, dass alle Anwesenden zusammenzucken.

Damit setzt er sich selbst sowie den Geräuschverursacher effektvoll "in Szene". Warum sollte dies höflich sein? Wir wünschen doch auch weder "Verdauung", wenn jemand rülpst oder pupst, noch "Schlaf", wenn jemand gähnt. Viel stilvoller ist es, solche ungewollten Körperreaktionen zu übergehen. Vielen Menschen, die unter Heuschnupfen oder Allergien leiden, ist es außerdem unangenehm, durch ihr Leiden Aufmerksamkeit zu erregen.

Auch in Besprechungen und bei Vorträgen ist ein Gesundheitswunsch störend. Es gibt allerdings Ausnahmen von dieser Regel. Manchmal entsteht eine peinliche Stille, wenn der eine laut niest und der andere schweigt. Und viele Menschen kennen diese Etikette-Regeln nicht und erwarten sogar einen Gesundheitswunsch. In solchen Ausnahmesituationen ist es sinnvoll, die körperliche Befindlichkeit Ihres Gegenübers zu kommentieren und das unangenehme Schweigen zu beenden.

Der große Knigge-Tipp: Stilvoller als dem anderen nur das Fragment eines guten Wunsches – wie "Gesundheit" oder "Maaahlzeit", "Morgen", "Tach auch" – entgegenzuschleudern, ist die Ausformulierung eines ganzen Satzes. Zum Beispiel: "Das hört sich an, als hätten Sie sich erkältet. Ich wünsche Ihnen gute Besserung." So können Sie außerdem einen Small Talk einleiten und auf angenehme und geschickte Weise ein Gespräch beginnen.