Zeitgemäße Umgangsformen im Restaurant

Nicht alle Umgangsformen-Regeln, die wir von unseren Großmüttern geerbt haben, sind heutzutage noch sinnvoll. Der Arbeitskreis „Tischkultur“ des Deutschen Knigge-Rats hat althergebrachte Regeln unter die Lupe genommen und empfiehlt, sie an die Erfordernisse der modernen Zeit anzupassen. Der große Knigge hat einige Beispiele davon veröffentlicht:

  1. Alte Regel: Der Herr umsorgt die Dame

    Früher war der Herr für das Wohl der Dame verantwortlich. Heutzutage kümmert sich auch eine Frau, z. B. als Gastgeberin, um das Wohl ihrer Gäste: Sie ist beim Ablegen der Mäntel behilflich, bietet ihren Gästen die Plätze an, gibt Tipps bei der Bestellung.

    >> Neue Empfehlung: Damen und Herren kümmern sich gleichermaßen um das gegenseitige Wohl. Entscheidend ist, ob sie sich in der Gast- oder Gastgeberrolle befinden.


  2. Alte Regel: Führt ein Kellner zum Tisch, geht der Gastgeber zuletzt

    Früher war es für Kellner und Gastgeber üblich, den Gast wie eine Eskorte auf dem Weg zum Tisch schützend in die Mitte zu nehmen. Dies ist allerdings nur sinnvoll, wenn der Gästekreis klein ist. Steht der Einladende hinter seinen Gästen, kann er nicht Regieführen, Plätze anbieten oder beim Platznehmen behilflich sein.

    >> Neue Empfehlung: Der Gastgeber entscheidet situativ, ob er nicht besser vorgehen sollte. Geleitet kein Kellner zum Tisch, geht er – unverändert – vor und seine Gäste folgen.


  3. Alte Regel: Die Hände gehören auf den Tisch

    Früher galt es als höflich, die Hände während einer ganzen Mahlzeit auf dem Tisch zu lassen. Das Signal war: Ich führe nichts Böses im Schilde. Internationale Gepflogenheiten sind jedoch anders: In vielen Ländern ruht die Hand im Schoß, wenn sie gerade nicht gebraucht wird, im arabischen Raum gilt die linke Hand sogar als unrein. Wer es angenehm findet, die Hand unter den Tisch zu nehmen, schränkt das Wohlbefinden seiner Mitmenschen nicht ein. Es spricht also nichts dagegen, diese Regel zu lockern.

    >> Neue Empfehlung: Es ist kein Fauxpas, die Hände zwischen den Gängen in den Schoß zu legen.