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Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge
Applaus, als Zeichen der Wertschätzung, auch in der Kirche!

Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,

Urlaub auf der Nordseeinsel Juist: In der kleinen Inselkirche versammeln sich zahlreiche Kurgäste zu einem abendlichen Konzert mit Trompete und Orgel. Die Reihen sind dicht besetzt.

Der örtliche Kantor hat Verstärkung vom Festland erhalten. Ein begabter Musiker ist aus Hamburg angereist und verzaubert mit seinem Instrument an diesem Abend die Gäste. Bereits nach dem ersten Stück brandet Beifall auf. Das virtuose Spiel berührt die Herzen.

Doch dann regt sich in der Reihe vor uns hörbarer Widerstand: zuerst Kopfschütteln, dann Worte wie „Unmöglich, das geht doch nicht!“.

Die beiden älteren Damen ärgern sich über den Applaus. Beifall in einer Kirche – das gehört sich doch nicht!

Nach dem Urlaub rufe ich beim Pressesprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland an und frage nach, ob es eine Hausordnung gibt, die das Klatschen in der Kirche verbietet. Die klare Antwort von Jens Peter Iven: Während eines normalen Gottesdienstes mit musikalischer Begleitung oder Solisten ist es völlig in Ordnung, wenn die Besucher am Ende mit Begeisterung klatschen. Während der Liturgie ist es jedoch störend, weil es die Konzentration unterbricht. Schließlich soll der Gottesdienst dem Dialog mit Gott dienen.

Doch bei Konzerten in der Kirche ist der Applaus für die Künstler auch zwischen den Stücken kein Problem, sondern ein Zeichen der Wertschätzung. Humorvoll ergänzt Iven: „Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass in der Kirche geklatscht wird, hätte er es in die zehn Gebote geschrieben.“

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge

 
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