Applaus, als Zeichen der Wertschätzung, auch in der Kirche!
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
Urlaub auf der Nordseeinsel Juist: In der kleinen
Inselkirche versammeln sich zahlreiche Kurgäste zu
einem abendlichen Konzert mit Trompete und
Orgel. Die Reihen sind dicht besetzt.
Der örtliche Kantor hat Verstärkung vom Festland
erhalten. Ein begabter Musiker ist aus Hamburg
angereist und verzaubert mit seinem Instrument an
diesem Abend die Gäste. Bereits nach dem ersten Stück brandet Beifall auf.
Das virtuose Spiel berührt die Herzen.
Doch dann regt sich in der Reihe vor uns hörbarer Widerstand: zuerst Kopfschütteln,
dann Worte wie „Unmöglich, das geht doch nicht!“.
Die beiden älteren Damen ärgern sich über den Applaus. Beifall in einer
Kirche – das gehört sich doch nicht!
Nach dem Urlaub rufe ich beim Pressesprecher der Evangelischen Kirche im
Rheinland an und frage nach, ob es eine Hausordnung gibt, die das Klatschen
in der Kirche verbietet. Die klare Antwort von Jens Peter Iven: Während
eines normalen Gottesdienstes mit musikalischer Begleitung oder Solisten ist
es völlig in Ordnung, wenn die Besucher am Ende mit Begeisterung
klatschen. Während der Liturgie ist es jedoch störend, weil es die Konzentration
unterbricht. Schließlich soll der Gottesdienst dem Dialog mit Gott
dienen.
Doch bei Konzerten in der Kirche ist der Applaus für die Künstler auch
zwischen den Stücken kein Problem, sondern ein Zeichen der Wertschätzung.
Humorvoll ergänzt Iven: „Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass in der Kirche
geklatscht wird, hätte er es in die zehn Gebote geschrieben.“
Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge
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