Heinz Rühmann oder: Nur, wenn ich einen gesunden Zugang zu meinen Stärken und Schwächen habe, kann ich ich sein.
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
im öffentlichen Leben nimmt der Wert „Authentizität“
einen besonders hohen Stellenwert ein, denn jeder
möchte „echt“ wirken. Bis in die Sechziger Jahre im
Kino und auch im immer populärer werdenden
Fernsehen galten sie als Stars Künstler wie: Hans
Albers, Liselotte Pulver, Heinz Rühmann, Heidi Kabel
und die legendäre Inge Meysel. Sie waren erfolgreich,
weil sie überzeugend die „normale Frau“ oder den
„kleinen Mann“ verkörperten und damit auf viele Zuschauer authentisch wirkten.
Nur: Normalerweise ist das mediale Bild eines Menschen nicht identisch mit der
realen Person.
Einen dieser alten Stars habe ich in meiner Zeit als Fernsehjournalist persönlich
kennen gelernt. Als ich Heinz Rühmann zuhause in seiner Villa am Starnberger See
besuchte, war ich gespannt und überrascht. Ich begegnete einem ganz bescheidenen,
introvertierten Mann, der trotz aller Preise und Ehrungen , einfach und bodenständig
geblieben war. Kein großes Tamtam, keine Zickigkeiten. Heinz Rühmann
wirkte wie ein ganz normaler älterer Herr, der ohne seine künstlerische Vergangenheit
wohl kaum als Nachbar aufgefallen wäre. Gleichzeitig spürte ich ganz klar:
Dieser Mann ist sich seiner Identität bewusst, er weiß wer er ist und braucht daher
nicht durch Starallüren auf sich aufmerksam zu machen. Er ist, wie er sich gibt.
Wie das gelingt? Meiner Erfahrung nach muss ich meine Geschichte kennen und
wissen, wer ich im tiefsten Kern meines Seins bin. Doch nicht nur das: Ich sollte
mich als Person annehmen und lieben. Nur, wenn ich einen gesunden Zugang zu
meinen Stärken und Schwächen habe, kann ich ich sein. Ich muss mir meiner
Identität bewusst sein, um sie trotz der geforderten Anpassung oder unbewusster
Manipulationen (z. B. durch die Medien) überzeugend zu leben.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge
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