Meine Erlebnisse mit einem Geldgeschenk zur Hochzeit
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
ich bin momentan etwas ratlos: In der letzten Ausgabe
habe ich Ihnen unsere Erlebnisse bei der letzten Hochzeit
erzählt. Für meine Frau und mich war der Besuch eine
Form der Wertschätzung. Obwohl wir zur Feier nicht
eingeladen waren, haben wir uns kurzfristig entschieden,
zumindest an der kirchlichen Trauung teilzunehmen, um
dem jungen Brautpaar persönlich zu gratulieren und
einen guten Start in die Ehe zu wünschen.
Zu Hause wurde die Grußkarte getextet, dazu legten wir ein Geldpräsent. Wir hatten
es großzügig gewählt, weil wir die junge Braut persönlich schätzen. Nach der Trauung
überreichten wir dem bislang unbekannten Bräutigam diskret unseren Umschlag.
In den Wochen danach begegneten wir immer wieder der Braut. Sie berichtete von
der Hochzeit und den ersten Wochen – doch kein Wort zu unserem Geschenk.
Langsam machten wir uns Gedanken: War der Umschlag verloren gegangen? Oder
wollten uns die beiden mit einer Dankeskarte vom Fotografen überraschen?
Mittlerweile sind Monate vergangen ohne Reaktion: Bei passender Gelegenheit
sprach ich das Thema an: „Ist unsere Hochzeitskarte mit dem Geld bei Ihnen angekommen?“
Die Braut reagierte sachlich, etwas kühl: „Ja sicher, die haben wir erhalten.“
Nicht mehr, kein Wort des Dankes, kein „Wir haben uns gefreut“, keine Entschuldigung
wie „Wir haben vergessen, uns zu bedanken“, sondern die Antwort kam eher in
einem Grundton, als ob ein Geldgeschenk in dieser Höhe selbstverständlich sei.
Jetzt wissen Sie, warum ich momentan etwas ratlos bin. Doch dann habe ich mich
entschlossen, bei nächster Gelegenheit mit der jungen Ehefrau über das Thema
Geschenke zu sprechen. Ich bin gespannt, wie sie reagiert. Falls Sie ähnliche Erfahrungen
gemacht haben, würde ich mich über eine E-Mail von Ihnen freuen. Lassen Sie
uns gemeinsam für eine Renaissance der Umgangsformen eintreten. Die vorliegende
Ausgabe bietet wieder eine Fülle von Anregungen dazu.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge
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