Identität: Du bist ein Original, du bist etwas Besonderes!
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
wer bin ich? Die Frage nach der Identität beschäftigt
viele Menschen von Geburt an. In Amsterdam fand
eine außergewöhnliche Ausstellung statt, die sich mit
dem Thema „Image und Identität“ auseinandersetzte.
Unter dem Titel „Fashion DNA“ hatten die Ausstellungsmacher
interessante Exponate der letzten 500
Jahre thematisch zusammengestellt. Was ist die
DNA, der Kern der Mode? Die simple Antwort:
„I am special – ich bin etwas Besonderes.“ Mode – so die These – will nichts
anderes als den Menschen hervorheben, betonen, aufwerten: „Schaut her,
ich bin ein Original, ich bin etwas Besonderes!“
Die Ausstellungsstücke wurden nach Lebensphasen – angefangen bei der
Geburt bis hin zum Tod – zusammengestellt. Besonders bemerkenswert fand
ich eine Kachel von 1747, die von den Eltern zur Geburt ihres Kindes gebrannt
wurde. Ein wertvolles Geschenk, das ein Leben lang an die väterliche und
mütterliche Freude über den Neuankömmling erinnern sollte. Daneben lagen
„Geburtslöffel“ mit dem Namen und dem Geburtsdatum des Kindes – einmal
aus Silber, einmal aus Porzellan – und immer war es ein Unikat: „Schaut her,
ich bin ein Original, ich bin etwas Besonderes!“
Neben vielen Bekleidungsstücken aus unterschiedlichen Epochen, die ebenfalls
diese Haltung unterstrichen, hat mich ein Exponat ganz besonders
bewegt: ein langes Gewand von Henry Willems. Der Künstler hatte auf der
Vorderseite viele kleine Taschen aufgenäht und kunstvolle Stickereien angebracht.
Dieses Gewand ist für einen Schwerkranken gedacht. In den kleinen
Taschen ist Platz für Fotos und Erinnerungsstücke, die Freunde und Familienangehörige
mitbringen, um sich gemeinsam an besondere Ereignisse zu
erinnern. Mich hat die Idee tief berührt: Bis zum letzten Tag des Sterbens
geht es um Identität: „Du bist ein Original, du bist etwas Besonderes!“
Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge
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