Mehr Stil, Rücksicht und Höflichkeit im Alltag
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
haben Sie den Eindruck, dass die Umgangsformen
heute anders sind als vor 10 Jahren? Mein Eindruck:
Ja. Im Alltag merkt man diese Veränderungen
allerdings nicht direkt, weil sie schleichend
kommen.
Ein Beispiel: der Umgang mit dem Handy. Letztens
saß ich in einem Straßencafé und konnte beobachten,
wie ein etwas älterer Herr am Nebentisch einen Anruf auf dem Mobiltelefon
annahm. Das auf stumm gestellte Gerät klingelte. Er blickte aufs Gerät,
bat seine Begleiterin um Entschuldigung und nahm den Anruf mit mittellauter,
eher leiser Stimme an. Der Anruf dauerte vielleicht eine Minute, dann
legte er auf und ließ das Gerät schnell in der Tasche verschwinden. Wenn
jemand so diskret mit seinem Mobiltelefon umgehen kann wie dieser ältere
Herr, fühlen sich die Mitmenschen im Straßencafé kaum gestört.
Leider gibt es auch Negativbeispiele: Eine Dame unterhält den ganzen
Zugwagon mit ihrem Telefonat. Ihre überlaute, schrille Stimme ist nicht zu
überhören: „Mensch Peter, hinten links stehen immer die Joghurts. Ja doch.
Aber ja. Ja wirklich. Schau doch genau hin. Wenn ich es dir doch sag’. Die
Margarine? Die solltest du doch kaufen ...“
Die Schere zwischen dezent und aufdringlich, höflich und rücksichtslos,
stilvoll und arrogant geht weiter auseinander. Zum Glück ist die Gemeinschaft
derer, die sich mehr Stil, Rücksicht und Höflichkeit im Alltag
wünschen, gar nicht so klein.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge
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