Sabine Ball: Mutter Teresa der Dresdner Neustadt
Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser,
eine besondere Frau: strahlende Augen, silbergraue
Haare und ein unglaubliches Charisma. Das ist mein
erster Eindruck von Sabine Ball. Ihr Outfit: praktisch
und bescheiden und gleichzeitig sehr stilvoll. Ihre
Lebensgeschichte klingt wie ein Märchen aus 1001
Nacht, mit einem Happy End der anderen Art.
Gesellschaftlich auf der Sonnenseite stehend, hatte sie alles
erreicht: Sie war schön, reich und als Frau eines
amerikanischen Millionärs sehr angesehen. Sie unterhielt sich mit Richard Nixon
und tanzte mit dem Schah von Persien. Doch tief in ihrem Herzen war sie unglücklich
und wählte schließlich einen ungewöhnlichen, radikalen Weg: zu Menschen
abseits der gesellschaftlichen Norm. Sabine Balls Augen funkeln, als sie mir ihre
Geschichte erzählt. Ich spüre ihre Betroffenheit, auch ihre Sehnsucht nach
Wahrheit, nach Aufrichtigkeit. In der tiefsten Krise begegnet sie Gott und findet
Halt im christlichen Glauben.
Es zog sie nicht zu den Schönen und Reichen, sondern zu den Drogenabhängigen,
den Menschen am Straßenrand. Sie teilte sich ein Zimmer mit einer ehemaligen
Prostituierten und arbeitete als Putzfrau und Haushälterin. Sie kümmerte sich um
Junkies und Straßenkinder, um misshandelte und missbrauchte Mädchen. Sie
pflegte Sterbende. Doch das Wichtigste: Sie war so zufrieden und glücklich, wie
sie es in den zehn Jahren als Millionärsgattin nie gewesen war.
1993 eröffnete sie in einem alten Laden in der Dresdner Neustadt ein Café für
Straßenkinder. Ich habe Sabine Ball, die mittlerweile 81 Jahre alt ist, gefragt,
warum sie sich in diesem Alter solchen Strapazen aussetzt. Doch ihre Antwort
lässt diese Frage schnell überflüssig erscheinen: „Ich wusste sofort: Hier bin ich
richtig!“ Für Dr. Herbert Wagner, den langjährigen Oberbürgermeister, ist sie die
„Mutter Teresa der Dresdner Neustadt“. Für mich ist sie ein Vorbild, das ansteckt
und motiviert, ungewöhnliche Schritte zu tun. Ihre packende Biografie ist sehr zu
empfehlen: Mehr als Millionen.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr

Rainer Wälde
Herausgeber Der große Knigge
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