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3.September2010

Haben Sie das auch schon erlebt?


Agnes Jarosch Chefredakteurin

Liebe Leser,

bei uns in Stuttgart (Staatstheater Stuttgart) sind Ende nächster Woche die offiziellen Theaterferien beendet. Theater ist auch nicht mehr das, was es einmal war - und das liegt in erster Linie an den Gästen.

Haben Sie sichauch schon einmal gefragt,welche Regeln im Theater/in der Operheutzutage eigentlich noch gelten?„Der große Knigge“ hat sich dieser Frage gewidmet. Hier die gröbsten Fettnäpfe, die ich im Theater alle schon erlebt habe. Leider!

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1. Kleidung

Bitte nicht:Als Mann spielen Sie den Rebell und vertreten die Meinung, dass Kulturliebhaber Ihre ausgewaschene Jeans und Rocker-Lederjacke tolerieren müssen. Als Frau kleiden Sie sich so auffällig und sexy, dass Sie den Bühnendarstellern und allen Anwesenden die Show stehlen.

Bitte gern: Sie entscheiden sich für ein elegantes Outfit, mit dem Sie sich unter all den anderen festlich gekleideten Gästen wohlfühlen und auch den Bühnendarstellern Ihren Respekt erweisen. Nur noch selten, etwa bei Premieren, wird allerdings der Smoking für Herren und für Damen das Abendkleid vorgeschrieben.

2.Taschen, Mäntel und Hüte

Bitte nicht:Die gefüllten Einkaufstüten, die Sie vom Stadtbummel vor dem Theaterbesuch mitbringen, versuchen sie unter Ihrem Sitz zu verstauen. Weil Sie außerdem niemanden gefunden haben, der auf Ihren Hund aufpasst, haben Sie ihn auch noch dabei.

Bitte gern:Alles, was Sie während der Vorführung nicht benötigen – also Jacken, Mäntel, Hüte, Schals, Koffer oder Rucksäcke –, geben Sie an der Garderobe ab. Es ist eine nette Geste, die Garderobengebühr aufzurunden und den Garderobenkräften ein kleines Trinkgeld zu geben.

3.Plätze einnehmen

Bitte nicht:Sie lassen sich bis zum letzten Klingelton Zeit, um Ihren Platz einzunehmen. Da Sie Mittelplätze reserviert haben, genießen Sie es, dass alle Anwesenden sich noch einmal für Sie erheben müssen.

Bitte gern:Wenn Sie Mittelplätze gebucht haben, nehmen Sie diese frühzeitig ein. Anderen Gästen sollten Sie nicht Ihre Hinterseite zuwenden, wenn Sie sie passieren müssen. Drehen Sie Ihnen die Vorderseite zu; ein Lächeln mildert die Störung und wirkt versöhnlich.

4.Duftnoten

Bitte nicht:Die Körperausdünstungen des Tages übertünchen Sie mit einer Duftwolke aus Parfüm.

Bitte gern:Falls Sie direkt nach der Arbeit ins Theater gehen, wappnen Sie sich mit Erfrischungstüchern und kleinen sogenannten Pocket-Deos für die Hand- oder Aktentasche. Achtung: Wenn Sie eine bestimmte Parfümsorte über eine lange Zeit hinweg benutzen, nimmt Ihre Nase den Duft nicht mehr intensiv war. Die Gefahr der Überdosierung ist groß. Zweimal, maximal dreimal pumpen genügt!

5.Handy

Bitte nicht:Ohne Ihr Handy können Sie nicht leben und Ihre beste Freundin/ihr bester Freund erwartet ohnehin, dass Sie sie/ihn per SMS über den Verlauf der Vorführung auf dem Laufenden halten.

Bitte gern:Sie schalten das Handy aus – am besten, bevor Sie das Theater betreten. Auch andere optische oder akkustische Störungen wie Foto- oder Videoaufnahmen sind verboten.

6.Erkältung

Bitte nicht:Die Nase trieft, Husten- und Niesanfälle wechseln sich ab. Aber bezahlt ist bezahlt! Sie haben das Ticket gekauft, also gehen Sie auch hin.

Bitte gern:Aus Rücksicht auf die anderen Gäste und die Künstler bleiben Sie zu Hause, wenn Sie mit Ihren Hustenanfällen und Schniefattacken die Vorstellung stören würden.

7.Essen und Trinken

Bitte nicht:Theater ist wie Kino und wird mit Popkorn und Gummibärchen zum gemütlichen Ereignis.

Bitte gern:Stärken können Sie sich in der dafür vorgesehenen Pause. Falls Sie während der Vorstellung ein Hustenbonbon lutschen möchten, wird sich wohl niemand daran stören. Tütengeraschel, Schlürf- oder Essgeräusche sind während der Vorstellung jedoch nicht erwünscht – Speisen und Ge- tränke bleiben draußen.

8.Live-Kommentare

Bitte nicht:Sie fühlen sich wie ein Kommentator bei der Fußball-WM und lassen keine Zeit verstreichen, um Ihrem Sitznachbarn/Ihrer Sitznachbarin unmittelbar Ihre Bühnenkritik mitzuteilen.

Bitte gern:Sie lassen die Gesamtvorstellung auf sich wirken und tauschen sich mit Ihrer Begleitung/Begleiterin in der Pause oder nach der Vorstellung aus.

9.Hobby-Sänger

Bitte nicht:Sie zeigen allen, dass Sie die Liedertexte kennen, zu Hause am Karaoke-Programm Ihres Computers geübt haben und selbst das Zeug zum Opernstar hätten.

Bitte gern:Sie üben weiterhin zu Hause unter der Dusche. Falls Sie ein Publikum benötigen, erfreuen Sie Freunde und Familie an Weihnachten nach der Bescherung.

10.Applaus, Applaus

Bitte nicht:Sie verlassen das Theaterhaus, sobald der Vorhang zum ersten Mal zugeht. Schließlich möchten Sie nicht mit allen anderen Besuchern an der Ausfahrt der Tiefgarage anstehen.

Bitte gern:Sie wissen, dass auch der Applaus das Brot des Künstlers ist, und spenden Beifall. Hat es Ihnen gefallen, dürfen Sie sich nach der Vorstellung auch erheben, stehend weiterklatschen und ihr Wohlgefallen durch einen „Bravo“-Ruf zum Ausdruck bringen.

So kann die Theater-Saison beginnen!

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Mit herzlichen Grüßen
Ihre

Agnes Anna Jarosch

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