Weder sprachlos, noch aggressiv:
Wie Sie Einwände und Angriffe souverän parieren
Müssen Sie Entscheidungen durchsetzen, Mitarbeiter motivieren und
Kunden überzeugen? Oder wollen Sie endlich die Bezahlung, die Sie
verdienen? Oder möchten Sie ganz einfach nur, dass Ihr Partner, Ihre
Partnerin oder die Kinder beherzigen, was Sie sagen?
Dann sollten Sie Einwände und Angriffe geschickt parieren können. Der große Knigge
zeigt Ihnen in diesem Beitrag, wie!
Aus dem Leben gegriffen...
Im Alltag kommt es sehr oft vor, dass Menschen nicht Ihrer Meinung sind oder andere Dinge im Sinn
haben. Hier einige Situationen aus dem Alltag:
- Petra wünscht sich einen Hund – ihr Partner nicht.
„Dann sind wir ja völlig ans Haus gebunden. Und überhaupt: Hast du nicht mit den Kindern und deiner
Arbeit schon mehr als genug zu tun?“, sagt er.
- Eine Freundin ist im Verkauf tätig.
„Wenn mir ein Kunde sagt, dass er kein Geld hat, fällt mir nichts mehr ein. Was soll ich ihm, bitte
schön, dann noch verkaufen?“, fragt sie.
- Ein Bekannter klagt, dass seine Vorschläge von den Kollegen nicht ernst genommen werden.
„Ich kann es einfach nicht mehr hören“, sagt er. „Es sind immer die gleichen bequemen Ausreden: Das
kann doch nicht funktionieren. Das haben wir noch nie so gemacht. Das ist doch viel zu teuer, viel zu
kompliziert, viel zu gefährlich.“
Kein Grund zu verzagen
Wie oft kommt es vor, dass Sie einen Vorschlag machen und gleich alle begeistert „Hurra“ schreien? Dass
Sie etwas durchsetzen können, ohne dafür kämpfen zu müssen? Ihnen ein Kunde ein Produkt aus der
Hand reißt? Man zu 100 % Ihrer Meinung ist? Selten!
Meist müssen Sie zumindest mit Einwänden und manchmal auch mit Angriffen rechnen. Nur wenn Sie sich
davon nicht ins Bockshorn jagen lassen, nicht gleich aufgeben, sondern Einwände ausräumen und Angriffe
parieren, kommen Sie ans Ziel.
Die gute Nachricht ist, dass Sie Methoden und Techniken erlernen können, um den anderen zu
überzeugen.
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Unterscheiden Sie zwischen Einwänden, Vorwänden und Angriffen
Wenn Sie in Gesprächen auf Widerstand stoßen, ist es erst einmal wichtig zu unterscheiden:
Handelt es sich
Woran Sie einen Einwand erkennen
Ein Einwand spielt sich überwiegend auf der Sachebene ab. Ihr Gesprächspartner hat Bedenken
und Befürchtungen der Sache gegenüber. Meist ist er jedoch durchaus bereit, sich mit dem
Thema auseinanderzusetzen, hat es vielleicht sogar schon gründlich getan und will häufig nur
noch überzeugt werden.
Ein Einwand ist subjektiv, das heißt aus Sicht des Vorbringenden immer berechtigt. Auch Sie
sollten ihn – selbst wenn er sachlich falsch ist – grundsätzlich ernst nehmen. Wie es Ihnen gelingt,
Einwände auszuräumen, lesen Sie weiter unten im Beitrag.
Woran Sie einen Vorwand erkennen
Auch ein Vorwand ist nicht persönlich gemeint. Allerdings hat Ihr Gesprächspartner hier weder
Lust noch Interesse, sich mit Ihnen bzw. dem Thema auseinanderzusetzen. Nur kann oder will er
das so deutlich nicht sagen und bringt stattdessen einen scheinbaren Einwand vor.
Einen Vorwand ausräumen zu wollen ist vergebliche Liebesmüh. Ihr Gesprächspartner will sich
gar nicht überzeugen lassen, sondern nur seine Ruhe haben. Deshalb reiht er in der Regel
Einwand an Einwand, in der Hoffnung, dass Sie irgendwann schon aufgeben werden.
Woran Sie einen Angriff erkennen
Ein Angriff spielt sich im Unterschied zum Einwand oder Vorwand auf der persönlichen Ebene ab.
Der andere hat in erster Linie ein Problem mit Ihnen. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, ist
er kaum bereit, in der Sache zu verhandeln.
Gegen Angriffe müssen Sie sich schützen und wehren. Doch nur wenn es Ihnen gleichzeitig
gelingt, den anderen friedlich zu stimmen, haben Sie eine Chance, Ihre Ziele auch inhaltlich zu
erreichen. Gehen Sie deswegen weder zum Gegenangriff noch zur Verteidigung über.
Der große Knigge-Hintergrundwissen: Die Grenzen sind fließend
In der Praxis ist die Unterscheidung zwischen Einwand, Vorwand und Angriff nicht immer leicht. So kann
auch ein Einwand kränken und fälschlicherweise als Angriff interpretiert werden.
Vielleicht kennen Sie das von sich selbst: Wie leicht fühlt man sich als Person infrage gestellt und
angegriffen, wenn die eigene Meinung nicht geteilt wird! Oder wenn der Gesprächspartner sich falsch
ausdrückt und z. B. einen sehr pauschalen und deshalb missverständlichen Einwand formuliert.
Ihr Interpretation entscheidet
Die Aussage „ Das ist doch Unsinn!“ z. B. kann sowohl Einwand als auch Angriff sein. Ihr Gesprächspartner
kann damit Ihre Kompetenz als solche infrage stellen wollen (Angriff). Er kann aber auch lediglich
Verständnisfragen haben (Einwand). In letzterem Fall erhitzt zurückzuschlagen wäre der falsche Weg und
das vorzeitige Ende eines möglichen Dialogs. Machen Sie diesen Test, um Ihre eigene Wahrnehmung zu überprüfen. Entscheiden Sie, ob es sich bei der
Aussage um einen Einwand, Angriff oder Vorwand handelt.
Wie auch immer Sie die Punkte in dieser Tabelle gesetzt haben: Ob Sie im Alltag mit diesen
Einschätzungen richtig oder falsch liegen, wissen Sie erst einmal nicht. Ein Einwand kann als Angriff
getarnt sein, und manch ein Einwand entpuppt sich als Vorwand.
Gehen Sie vom Einwand aus
Der große Knigge-Tipp: Gehen Sie grundsätzlich in allen Fällen (siehe Tabelle) weder von einem Angriff noch von einem
Vorwand aus. Behandeln Sie solche Aussagen wie Einwände, die sich mit Geschick und Glück vielleicht
doch noch ausräumen lassen. Aufgeben oder zurückschlagen können Sie schließlich immer noch.
Umgekehrt ist es schwieriger: Wer aufgibt, kommt nie ans Ziel. Und wer überreagiert, verscherzt sich die
Gesprächsbereitschaft der Gegenseite. Machen Sie es sich bei pauschalen Einwürfen zur Gewohnheit,
nachzuhaken, was genau Ihr Gesprächspartner sagen will. Oft gelingt es Ihnen dadurch, den anderen
wieder zu einer sachlichen Aussage zu bewegen.
Beispiele:
|
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| Einwand: |
„Das ist doch Unsinn!“ |
| Frage: |
„Wo liegen Ihre Bedenken?“ |
| |
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| Einwand: |
„Das ist nichts für mich.“ |
| Frage: |
„Was genau sagt Ihnen nicht zu?“ |
| |
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| Einwand: |
„Das ist doch blöd.“ |
| Frage: |
„Was gefällt dir nicht an der Idee?“ |
- Bei einem echten Einwand wird Ihr Gesprächspartner versuchen, seinen Standpunkt zu
konkretisieren.
- Bei einem Vorwand wird er ausweichen, bei einem Angriff heftiger werden.
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Karrierefaktor gute Umgangsformen und stilsicheres Auftreten – wie sieht es da bei Ihnen aus?
Dass Sie mit Feingefühl und souveränem Auftreten Sympathiepunkte sammeln, wissen Sie natürlich. Aber – wüssten Sie auch,
- ob Sie grüßen sollten, wenn Sie Ihre Chefin/Ihren Chef auf der Toilette treffen?
-
- wie Sie stilvoll reagieren, wenn Ihnen im Meeting ein peinlicher Versprecher unterläuft?
- bei welchen Veranstaltungen von Ihnen pünktliches Erscheinen erwartet wird – und wann es stilvoller ist, lieber ein wenig zu spät zu kommen?
Wenn Sie diese Etikette-Fallen kennen, haben Sie vielen Kollegen etwas voraus: Man wird Sie nicht nur für sympathisch, sondern für KARRIERE-TAUGLICH halten ... und Sie haben Job-Chancen, die anderen für immer verschlossen bleiben. Einfach nur, weil Sie sich sicher in Gesellschaft und Job bewegen.
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Gesprächstechniken: Wie Sie Einwänden und Angriffen am besten begegnen
So räumen Sie mögliche Einwände aus
Bereiten Sie sich inhaltlich vor und setzen Sie sich schon vorab mit möglichen Einwänden auseinander:
- Welche Einwände können kommen?
- Wie können Sie darauf reagieren?
- Können Sie den Einwand widerlegen? Mit welchen Argumenten?
- Oder ist der Einwand sachlich gerechtfertigt? Welche Vorteile können Sie dann entgegenstellen, die
ihn aufwiegen?
Der große Knigge-Extra-Tipp: Kommen Sie Ihrem Gegenüber zuvor
Nehmen Sie Einwände, mit denen Sie sicher rechnen können, im Gespräch vorweg. Das zeigt dem
anderen, dass Sie sich nicht nur Gedanken um sich, sondern auch um ihn gemacht haben, wirkt ehrlich
und schafft Vertrauen.
Beispiel: Erst kürzlich hat Ihr Chef bei der Team-Besprechung über die schlechten Umsatzzahlen geklagt.
Nun wollen Sie eine Gehaltserhöhung für sich durchsetzen. Anstatt zu warten, bis Ihr Chef Ihre Forderung
mit dem Hinweis auf die schlechte Unternehmenslage mit einem Satz abschmettert, gehen Sie besser in
die Offensive und sprechen dieses Thema von sich aus an:
„Herr Meier, ich kenne die angespannte
wirtschaftliche Situation unseres Unternehmens. Dennoch möchte ich mit Ihnen über mein Gehalt
sprechen …“
Aber Vorsicht! Bitte wenden Sie diese Technik nur dann an, wenn Sie Ihr Gegenüber so gut kennen, dass
Sie seine Einwände auch wirklich voraussagen können. Nicht alles, was in Ihrem Kopfkino als
todsicherer Einwand kommt, muss für Ihren Gesprächspartner tatsächlich ein Problem darstellen.
Spätestens wenn Sie selbst das Thema aktiv angesprochen haben, schaffen Sie allerdings auch bei
ihm ein Problembewusstsein. Sie legen sich also unter Umständen selbst Steine in den Weg.
Beispiel: Sie möchten Ihrem Kunden einen Fonds verkaufen. Auch wenn Sie selbst noch den letzten
Börsen-Crash vor Augen haben, wäre es ein Fehler, den Risikoaspekt aktiv anzusprechen. Vielleicht hat Ihr
Kunde ja gar kein Problem mit der Sicherheit von Fonds!
Wenden Sie die Schleifentechnik an
Am besten ausräumen lassen sich Einwände mit der Schleifentechnik. So funktioniert sie:
Die Schleifentechnik funktioniert wie ein Tennisschlag –
und sie lässt sich genau so trainieren:
Schritt 1: Nehmen Sie den Einwand auf
Aus Sicht des Vortragenden ist ein Einwand immer berechtigt. Deshalb ist es wichtig, ihn ernst zu nehmen
und nicht etwa einfach zu überhören. Indem Sie dies tun, zeigen Sie Ihrem Gegenüber Wertschätzung und
erhalten sich seine Gesprächsbereitschaft.
Lassen Sie Ihren Gesprächspartner unbedingt ausreden. Schauen Sie ihn dabei aufmerksam an, anstatt
auf den Boden zu blicken oder ungeduldig von einem Fuß auf den anderen zu treten. Nicken Sie zum
Zeichen, dass Sie ihm folgen.
Oder am Telefon: Geben Sie durch ein „hörbares Kopfnicken“ („Hm, ja, aha …“) zu verstehen, dass Sie
ganz bei der Sache sind. Fragen Sie nach, wenn Sie sich bei schwammigen Einwänden nicht sicher sind, wo
genau die Widerstände liegen. Damit zeigen Sie nicht nur echtes Interesse, Sie können danach auch
besser argumentieren:
- „Was verstehst du unter …?“
- „Was bedeutet für Sie …?“
- „Was ist Ihnen besonders wichtig?“
- „Was meinst du damit?“
- „Warum denken Sie, dass das nicht funktioniert?“
- „Was ist denn ‚teuer‘ für Sie? Womit vergleichen Sie? Wo liegt Ihr Limit?“
Versuchen Sie beim Zuhören immer auch zwischen den Zeilen zu lesen und geben Sie Ihrem
Gesprächspartner durch eine Zusammenfassung seines Einwands zu erkennen, dass Sie ihn auch wirklich
verstanden haben.
Beispiel:
- Einwand: „Ein Hund? Du hast mit den Kindern und deiner Arbeit doch schon genug
zu tun!“
- Erwiderung: „Wenn ich dich richtig verstehe, dann bist du gegen einen Hund, weil du befürchtest,
dass dann noch weniger Zeit für uns beide übrig bleibt.“
Der große Knigge-Extra-Tipp: Was tun bei scharfen Einwänden?
Besonders scharfe Einwände sollten Sie beim Nachfragen oder Zusammenfassen in eine mildere, sachliche
Form bringen, damit sich negative Emotionen gar nicht erst hochschaukeln können.
Beispiel:
- Einwand: „Das ist doch Augenwischerei!“
- Zusammenfassung: „Sie halten das für unrealistisch?“
Schritt 2: Sie federn den Einwand ab
Den positiven Effekt, den Sie allein mit dem Eingehen auf seine Bedenken erzielt haben, verstärken Sie
noch, indem Sie Verständnis für die Sichtweise Ihres Gesprächspartners zeigen und ihn für seinen
Einwand „loben“.
Dabei müssen Sie Ihr Lob nicht einmal heucheln. Denn tatsächlich hat ein Einwand, auch wenn er lästig
ist, durchaus Vorteile, über die Sie sich freuen können. Ihr Gesprächspartner ist immerhin grundsätzlich
bereit, sich mit Ihnen auseinanderzusetzen. Er offenbart Ihnen seine Einstellungen und Absichten, seine
Motive, seine Vorurteile, seine Ängste und Widerstände.
Sie müssen nicht ins Blaue hinein argumentieren, sondern können ganz gezielt auf Ihren
Gesprächspartner eingehen. Und ist ein Einwand nicht immer auch eine Herausforderung, bei der Sie Ihre
Kompetenz in besonderer Weise beweisen können?
Lob und Verständnis äußern Sie z. B. durch folgende Formulierungen:
- „Gut, dass Sie das ansprechen!“
- „Danke für deine Offenheit.“
- „Das ist ein sehr wichtiger Gesichtspunkt, den Sie da ansprechen.“
- „Ein wichtiger Hinweis!“
- „Ich verstehe Ihre Bedenken.“
- „Ich kann deine Position verstehen.“
Bei allem Verständnis beachten Sie aber: Tappen Sie nicht in die Identifikationsfalle!
Belassen Sie es bei einer begrenzten Zustimmung, anstatt sich vollkommen mit Ihrem Gesprächspartner
zu identifizieren. Sonst ist das Gespräch an dieser Stelle beendet, ohne dass Sie irgendetwas erreicht
haben.
Dies gilt umso mehr, als die Identifikation mit einem anderen Menschen auch gründlich schiefgehen kann.
So z. B. bei der Verkäuferin, die Sie am Anfang dieses Beitrags kennengelernt haben: Bei der Aussage
„Kein Geld“ sieht sie unweigerlich einen armen Menschen vor sich, dem es nicht einmal für das Nötigste
reicht und der kaum weiß, wie er über die Runden kommen soll.
Eine voreilige Interpretation, denn die gleiche Person, der 50 Euro für Naturkostprodukte zu viel sind, legt
vielleicht noch am selben Tag, ohne mit der Wimper zu zucken, das 10-Fache für einen Flachbildschirm auf
den Tisch!
In Wirklichkeit lautet der Einwand in den meisten Fällen nämlich nicht: „Ich habe kein Geld“, sondern „Ich
habe kein Geld für …, weil mir andere Dinge wichtiger sind“. Wenn es der Freundin gelänge, das
Interesse des Kunden zu wecken, hätte sie durchaus Chancen, doch noch ins Geschäft zu kommen.
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Karrierefaktor gute Umgangsformen und stilsicheres Auftreten – wie sieht es da bei Ihnen aus?
Dass Sie mit Feingefühl und souveränem Auftreten Sympathiepunkte sammeln, wissen Sie natürlich. Aber – wüssten Sie auch,
- ob Sie grüßen sollten, wenn Sie Ihre Chefin/Ihren Chef auf der Toilette treffen?
-
- wie Sie stilvoll reagieren, wenn Ihnen im Meeting ein peinlicher Versprecher unterläuft?
- bei welchen Veranstaltungen von Ihnen pünktliches Erscheinen erwartet wird – und wann es stilvoller ist, lieber ein wenig zu spät zu kommen?
Wenn Sie diese Etikette-Fallen kennen, haben Sie vielen Kollegen etwas voraus: Man wird Sie nicht nur für sympathisch, sondern für KARRIERE-TAUGLICH halten ... und Sie haben Job-Chancen, die anderen für immer verschlossen bleiben. Einfach nur, weil Sie sich sicher in Gesellschaft und Job bewegen.
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Schritt 3: Sie ziehen eine Schleife
Wie aber schlagen Sie nun elegant den Bogen zu Ihrer weiteren Argumentation? Je nach Situation können
Sie den Einwand entweder
- mit Fingerspitzengefühl richtigstellen,
- zu einem Vorteil umdeuten,
- durch anderes aufwiegen oder
- vertagen.
Möglichkeit 1: Sie stellen den Einwand mit Fingerspitzengefühl richtig
Wenn der Einwand zwar subjektiv verständlich und damit auch berechtigt, aber objektiv falsch ist, stellen
Sie ihn sachlich, aber mit Fingerspitzengefühl richtig.
Nicht gesprächsfördernd sind dabei Äußerungen wie:
- „Nein, das stimmt nicht.“
- „Da liegen Sie falsch.“
- „Da muss ich Ihnen widersprechen.“
- „Das ist Quatsch!“
Denn damit greifen Sie das Selbstwertgefühl Ihres Gegenübers an und provozieren erst recht seinen
Widerstand. Sie gewinnen viel, wenn Sie diese oft leicht dahingesagten Sätze ganz einfach weglassen und
sich stattdessen – nachdem Sie grundsätzliches Verständnis geäußert haben! – auf eine wertfreie
Darstellung von Daten, Fakten und Referenzen beschränken.
Spüren Sie die unterschiedliche Wirkung
In einer Sitzung des Planungsausschusses schlägt Ihre Kollegin vor, einige Aufgaben an Fremdfirmen
auszulagern. Sie sind dagegen: „Das ist doch viel zu teuer!“
- Mit welcher Reaktion Ihrer Kollegin geht es Ihnen besser?
- Wo sind Sie eher bereit, weiter zuzuhören und sich vielleicht doch noch überzeugen zu lassen?
| Reaktion 1 |
Reaktion 2 |
| „Da haben Sie Unrecht!“ |
„Das habe ich zuerst auch gedacht.“ |
 |
 |
„Ich habe das Ganze einmal für uns durchgerechnet. Wenn ich Ihnen
die Zahlen kurz präsentierendarf?“ |
Würden Sie nicht auch sagen, dass Sie bei Reaktion 2 wesentlich gesprächsbereiter sind?
Möglichkeit 2: Sie deuten den Einwand zu einem Vorteil um
Viele Einwände sprechen in Wirklichkeit für und nicht gegen Sie. Ihrem Gesprächspartner fehlt nur ein
Perspektivenwechsel, um dies zu erkennen.
Nehmen Sie noch einmal die gerade geschilderte Situation: Ihre Kollegin schlägt die Auslagerung von
Arbeiten an Fremdunternehmen vor. In Wirklichkeit ist es ja gerade der Preis, der gegen diese Lösung
spricht. Dies kann sie zum Ausdruck bringen, indem sie dem Einwand „zu teuer“ entgegnet:
„Ich stimme Ihnen zu: Die Kosten dürfen wir auf gar keinen Fall vernachlässigen. Sie sind Dreh- und
Angelpunkt. Gerade deshalb (!) wird Sie meine Kalkulation interessieren. Ich habe das Ganze nämlich einmal für uns durchgerechnet. Wenn ich Ihnen das kurz vorstellen darf …“
In der Verkaufswelt wird diese Methode oft als „Bumerang–Methode“ bezeichnet, weil sie den Einwand
wie einen Bumerang an den Adressaten zurückgehen lässt. Sie eignet sich aber auch, wenn Sie kein
Verkäufer im engeren Sinn des Wortes sind. Denn immer wenn Sie sich durchsetzen oder etwas erreichen
wollen, sind Sie im Grunde genommen ein Verkäufer. Um erfolgreich zu sein, müssen Sie Ihre Wünsche
und Ziele schließlich bestmöglich an den Mann bzw. an die Frau bringen.
Wortschleifen, mit denen Sie den Einwand an den Adressaten zurückschicken können, sind:
- „Gerade weil …“
- „Eben deshalb …“
- „Eben darum …“
- „Genau deswegen …“
Möglichkeit 3: Sie wiegen den Einwand auf
Auch das ist immer eine gute Möglichkeit, mit Einwänden umzugehen, und jeder von uns tut das in der
Regel auch ganz automatisch. Leider machen dabei jedoch viele einen kleinen, aber nicht zu
unterschätzenden Fehler: Sie benutzen das Wörtchen „aber“.
„Du hast ja Recht, aaaaaber …“
Bitte versuchen Sie, sich diesen Zweisilber in Zukunft zu verkneifen, denn er löst bei vielen Menschen
allergische Reaktionen aus: Sie müssen einfach widersprechen. Verwenden Sie lieber Formulierungen, die
in unserem Unterbewusstsein weniger bzw. gar nicht negativ vorbelegt sind, z. B.
- „Auf der anderen Seite …“
- „Dafür …“
- „Dem steht entgegen …“
Beispiel: „Sie haben Recht. Die Schuhe sind nicht ganz billig. Dafür sind sie exakt auf Ihre persönlichen
Bedürfnisse zugeschnitten. Sie entsprechen ganz genau den Anforderungen, die die Laufbandanalyse
ergeben hat, und Sie können zu 100 % sicher sein, Ihre Gelenke beim Laufen optimal zu schonen.“
Möglichkeit 4: Sie stellen den Einwand zurück
Ihr Gegenüber möchte mit seinem Einwand ernst genommen werden. Deshalb ist eine Zurückstellung
grundsätzlich gefährlich. Vielleicht wollen Sie später ja gar nicht auf den Einwand zurückkommen, sondern
sich seiner lediglich auf bequeme Weise entledigen? Das zumindest könnte Ihr Gesprächspartner
annehmen und Ihnen schon im Voraus verübeln – keine gute Basis für die Durchsetzung Ihrer Ziele.
Dennoch kann es sinnvoll sein, einen Einwand zunächst einmal zurückzustellen, z. B. dann, wenn
- sich dieser im weiteren Verlauf wahrscheinlich von selbst erledigt und eine sofortige
Einwandbehandlung Sie und weitere Gesprächsteilnehmer aus dem Konzept bringen würde oder
- Sie dem Einwand auf die Schnelle nichts entgegenzusetzen haben.
Wichtig ist in diesem Fall, überzeugend zu vermitteln, dass Sie nicht vorhaben, den Einwand unter den
Tisch zu kehren, und später auch wirklich darauf zurückkommen.
Diese Formulierungen wirken glaubhaft:
- „Ich möchte diesen Punkt gern bis zum Ende zurückstellen.“
- „Darauf komme ich gleich noch einmal zurück. Geben Sie mir noch ein paar Minuten? Sonst
verliere ich den Faden.“
- „Ich habe mir das notiert. Wir sprechen dann … darüber.“
- „Ich mache mich da noch einmal schlau und gebe Ihnen bis/am … Bescheid.“
Nicht jeder Einwand lässt sich ausräumen
Zum Ernstnehmen eines Einwands gehört es auch, ggf. zu akzeptieren, dass sich der andere nicht
umstimmen lässt, oder sich gar selbst überzeugen zu lassen. So hat Petra aus dem Anfangsbeispiel
inzwischen eingesehen, dass ein Hund zum jetzigen Zeitpunkt wirklich keine gute Idee wäre. Noch früher
aufstehen, weil der Hund Gassi muss? Das Tier den ganzen Tag allein lassen? In ein paar Jahren kann das
schon anders aussehen, aber jetzt? Lieber nicht.
Auch innerhalb eines Gesprächs einen Einwand nach dem anderen ausräumen zu wollen ist meist wenig
sinnvoll.
Wer mehr als 3 Einwände vorbringt, ist – davon können Sie ausgehen – zumindest im Augenblick nicht
bereit, sich überzeugen zu lassen. Solche Einwände sind in Wirklichkeit Vorwände. Wenn Sie hier
weiterargumentieren, laufen Sie Gefahr, Ihr Gegenüber zu nerven. Besser ist in einem solchen Fall, das
Gespräch fürs Erste im Guten zu beenden und eventuell zu einem späteren Zeitpunkt neu aufzunehmen.
So parieren Sie Angriffe
Wie aber verhalten Sie sich, wenn ein Gesprächspartner nicht nur Zweifel an der Sache hat, sondern Sie
persönlich angreift?
Zurückschlagen bringt wenig
Es bringt Sie in der Sache selten weiter und verschafft Ihnen allenfalls eine vorübergehende Befriedigung.
Auf jeden Fall aber lässt es einen faden Beigeschmack zurück und kann Ihrem Image schaden, wenn Sie im
Eifer des Gefechts überreagieren.
Denken Sie auch daran: Inhaltlich erreichen Sie Ihre Ziele nur, wenn Sie Ihren Gesprächspartner friedlich
stimmen können. Das wird Ihnen mit einem Gegenangriff jedenfalls nicht gelingen.
Besser einfach abprallen lassen
Versuchen Sie lieber, sich Wut und Ärger möglichst wenig anmerken zu lassen. Damit treffen Sie Ihr
Gegenüber übrigens oft mehr als mit einem Gegenschlag. Stellen Sie sachlich die Fakten richtig. Bleiben
Sie höflich. Begeben Sie sich nicht auf das Niveau Ihres Gegners.
Fordern Sie Respekt ein
Lassen Sie sich nicht anschreien, beschimpfen oder beleidigen. Fordern Sie in einem ruhigen Ton Respekt
und Höflichkeit ein und wahren Sie damit Ihre Würde, nicht nur für sich selbst, sondern auch im Hinblick
auf eventuell anwesende Dritte:
- „In diesem Ton unterhalte ich mich nicht mit Ihnen.“
- „Das ist nicht die Art und Weise, wie wir hier im Unternehmen miteinander diskutieren.“
- „Lass uns das in einem höflicheren Ton miteinander besprechen.“
Letzte Konsequenz: Gesprächsabbruch
Ist Ihr Gegenüber nicht bereit, zu einem normalen Ton zurückzukehren, sollten Sie das Gespräch
abbrechen. Durch einen aktiven Gesprächsabbruch sind Sie in der stärkeren Position. Sie müssen sich
nicht als Opfer fühlen und werden auch nicht als solches wahrgenommen. Im Gegenteil: Sie wirken
souverän und überlegen.
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Der große Knigge-Zusammenfassung: Das Wichtigste im Überblick
- Unterscheiden Sie, ob Sie es mit einem Einwand, einem Vorwand oder einem Angriff zu tun
haben.
- Gehen Sie im Zweifelsfall von einem Einwand aus. Aufgeben oder zurückschlagen können Sie
immer noch.
- Jeder Einwand ist aus der Sicht des Vortragenden berechtigt. Deshalb ist es ein Zeichen der
Wertschätzung und auch ein Gebot der Höflichkeit, jeden Einwand – und sei er sachlich noch
so falsch – ernst zu nehmen.
- Nutzen Sie die Schleifentechnik:
- Nehmen Sie den Einwand auf,
- federn Sie ihn durch Verständnis und Lob emotional ab und
- ziehen Sie die Schleife zurück zu Ihrer Argumentation.
- Stellen Sie falsche Einwände sachlich richtig, ohne die Kompetenz Ihres Gegenübers
abzuwerten.
- Stellen Sie Nachteilen Vorteile entgegen. Verzichten Sie dabei auf das Wörtchen „aber“.
- Helfen Sie Ihrem Gesprächspartner, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Manchmal spricht gerade der Einwand für Sie. Sie müssen ihn nur in einen anderen Rahmen
stellen.
- Beim dritten Einwand sollten Sie sich aus dem Gespräch zurückziehen. Sie können davon
ausgehen, dass Ihr Gegenüber sich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht überzeugen lassen
will.
- Lassen Sie Angriffe auf Ihre Person möglichst ungerührt abprallen.
- Bleiben Sie höflich und ruhig.
- Bestehen Sie auf einem respektvollen Umgang miteinander. Lassen Sie sich nicht anschreien,
beschimpfen oder beleidigen.
- Nutzen Sie als Waffe gegen unverbesserliche Gegner den aktiven Gesprächsabbruch. Damit
zeigen Sie sich als derjenige, der am längeren Hebel sitzt, und hinterlassen auch bei
anwesenden Dritten einen souveränen und überlegenen Eindruck.
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10.03.2010
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