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Small-Talk-Wissen: Ihre Plauderthemen
für den Sommerurlaub 2012

Ihre Plauderthemen für den Sommerurlaub
Dieser Beitrag wurde uns zur Verfügung gestellt von:
 
Der große Knigge

Land und Leute kennen lernen – das ist für viele Reisende das Schönste am Urlaub. Nette Menschen gibt es an Ihrem Ferienort bestimmt. Doch wie kommen Sie mit ihnen in Kontakt? Worüber reden Sie und was sollten Sie über das Reiseland wissen?

Dieser Beitrag aus dem großen Knigge gibt Ihnen aktuelle Tipps, wie Sie Ihr Small-Talk-Wissen für eine unterhaltsame Plauderei im Ausland nutzen können.

In der Auswahl: Die 6 beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen (laut ADAC-Reisemonitor 2010).

1. Italien: 9,5 %
2. Spanien: 9,4 %
3. Österreich: 6,7 %
4. Türkei: 3,7 %
5. Griechenland: 3,5 %
6. Frankreich: 3,2 %

Auszug aus der aktuellen Studie: Die Top-Urlaubsziele in Europa


Knüpfen Sie bereits bei der Anreise
erste Kontakte

Je nach Sichtweise beginnt der Urlaub nicht erst am Zielort, sondern bereits mit der Anreise. Diese sollte angenehm, kurzweilig und stressfrei sein. Da liegt es doch nahe, bereits in der Bahn oder im Flugzeug die erste nette Unterhaltung zu führen. Grüßen Sie beim Platznehmen, demonstrieren Sie mit einem Kommentar über das Wetter, die Tageszeit, die Maschine, das Essen Ihre Gesprächsbereitschaft. Doch drängen Sie niemandem ein Gespräch auf. Themen, über die Sie ins Gespräch kommen können, gibt es viele. Zum Beispiel:

 

Warum ausgerechnet Tomatensaft?

In 10.000 Metern Höhe wird gerne ein Getränk serviert, das die Angelsachsen unter den Flugzeugpassagieren am liebsten mit einem scharfen Gemisch aus Essig, Gewürzen und Soja – Worcestersauce genannt bzw. „Wusterßohs“ ausgesprochen – genießen.

Allein bei der Lufthansa werden jährlich 1,4 Millionen Liter Tomatensaft über den Wolken verputzt. Doch warum ausgerechnet der rote Saft-Drink? Weil er einigermaßen satt macht und – anders als alkoholische Getränke – nichts kostet? Oder liegt es am Futterneid?

Wenn ein Passagier, so die Beobachtungen des Lufthansa-Personals, Tomatensaft bestellt, kommt es zu einer Kettenreaktion. Plötzlich wollen alle im Flieger ein Glas mit dem dickflüssigen roten Inhalt. Und wenn dieser mit reichlich Worcestersauce versetzt wurde, wird gerne noch ein Glas Orangensaft hinterhergekippt.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Gleich wird bestimmt wieder Tomatensaft serviert …“

 

Braucht Superman einen Sicherheitsgurt?

Wenn Sie Ihr Gespräch gleich nach dem erfolgreichen Start der Maschine beginnen möchten, bietet sich eine Anekdote um einen Gurtmuffel an. Muhammad Ali, Boxweltmeister aller Klassen, wollte sich auf einem Transatlantikflug partout nicht anschnallen. Als die Stewardess auf ihrer Forderung beharrte, sagte Ali herablassend: „Superman braucht keinen Sicherheitsgurt.“ Die Stewardess konterte ungerührt: „Superman braucht auch kein Flugzeug.“ Da lenkte der große Meister lachend ein und legte brav den Gurt an.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Sind Sie auch so froh wie ich, den Sicherheitsgurt wieder abzuschnallen?“

 

Es lebe der Fortschritt – von 1935

Falls Sie mit der Bahn zu Ihrem Urlaubsziel reisen, werden Sie wohl etwas länger unterwegs sein als im Flugzeug. Dabei reiste man früher auf Schienen um einiges schneller als heute: Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit der Eisenbahn von der deutschen in die estnische Hauptstadt. Im Jahr 1935 dauerte die Reise per Dampflok von Berlin nach Tallinn 27 Stunden. Die Geschwindigkeit betrug im Durchschnitt 63 Kilometer pro Stunde. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie nähmen die Strecke heute in Angriff, mit modernen Zügen. Wie lange würden Sie brauchen?

Die Antwort: 60 Stunden. Sie müssten 9-mal umsteigen und an 60 Bahnhöfen halten. Ein Trost: Wenigstens brauchen Sie die Grenze von Lettland nach Estland inzwischen nicht mehr zu Fuß zu überqueren, da die Länder mittlerweile zum Schengener Raum gehören. Andererseits: Im Jahr 2007 hat die EU die Mittel für transeuropäische Eisenbahnnetze um zwei Drittel gekürzt.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Was schätzen Sie, wie schnell wir gerade unterwegs sind?“

 

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Small-Talk-Themen für Italien

ItalienDeutschland und Italien – das ist eine merkwürdige Beziehung. Wir lieben die Italiener, ihre lockere Lebensart und ihr gutes Essen. Und umgekehrt? Sagen wir es so: Die Italiener respektieren unsere deutsche Effizienz und freuen sich, dass uns ihr Essen schmeckt. Mentalitätsunterschiede überbrücken Sie am einfachsten, indem Sie diese thematisieren – mit einem Schuss der Eigenschaft, die uns Deutschen am wenigsten nachgesagt wird: Humor.

 

Gemeinsame Leidenschaft – unterschiedliche Ausübung

Kultur ist im Small Talk immer ein dankbares Thema. So auch die Musik. Wir verehren Richard Wagner und widmen ihm allsommerlich die Bayreuther Festspiele. Italienische Opernfreunde halten es eher mit Wagners Kollegen Giuseppe Verdi und Gioacchino Rossini. Letzteren verband mit Wagner eine Respektsbeziehung: „Richard Wagner hatte großartige Momente“, fand Rossini, um das Kompliment gleich anschließend zu relativieren, „… aber grässliche Viertelstunden“.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Deutsche und Italiener teilen ja die Leidenschaft für Opern. Für welchen Komponisten schwärmen Sie?“

 

Unvergessen: Giuseppe Garibaldi

Worauf sind die Italiener – außer auf ihre Kultur – noch stolz? Auf ihre Nation! Obwohl die Gründung des italienischen Staates erst 1861 erfolgte. Sie ist untrennbar mit dem Namen Giuseppe Garibaldi verbunden. Mit einem Freiwilligenheer von 30.000 Mann war er auf Sizilien gelandet und befreite von Süden her seine Heimat von den Besatzungsmächten Österreich und Frankreich. Leider wurden die sozialen Reformen, die er anstrebte und für die er aktiv gekämpft hatte, immer wieder auf Eis gelegt. Ein nationaler Held aber ist Garibaldi über seinen Tod hinaus geblieben: Bis heute sind zahlreiche Straßen und Plätze auf der Apennin-Halbinsel nach ihm benannt.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „In diesem Land begegnet einem Garibaldi auf Schritt und Tritt. Welche Bedeutung hat er denn im heutigen Italien?“

 

Gemeinsame Leidenschaft – unterschiedliche Ausübung

Nicht nur die Kultur, auch der Fußball verbindet Deutsche und Italiener. In der Bundesliga kickte  der italienische Nationalspieler Luca Toni bei Bayern München und Andrea Barzagli kickt seit 2008 beim VfL Wolfsburg – beide sehr erfolgreich. Fragen Sie Ihren Gesprächspartner, warum kein Deutscher in Italiens Serie A kickt.

Das war doch mal anders, in den Zeiten eines Hans Haller, Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann oder Rudi Völler. Fragen Sie Ihr Gegenüber auch, wie es kommt, dass italienische Mannschaften inzwischen offensiv spielen, dafür aber englische Mannschaften mit italienischer Defensivtaktik in der Champions League den größten Erfolg haben.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Was ist denn Ihr Lieblingsverein?“ (Die Frage wird überall verstanden, das Wörtchen Calcio = Fußball brauchen Sie in diesem Zusammenhang nicht zu erwähnen.)

 

Vorsicht vor diesen Fettnäpfchen!

Lassen Sie beim Small Talk in Italien die aktuelle Politik außen vor: Den immerwährenden Konflikt zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden können Sie nicht lösen, und mit Berlusconi müssen die Italiener selber fertig werden.

Das Schimpfen über lange Schlangen an Schalter oder Kasse überlassen Sie besser ebenfalls den Einheimischen. Sehen Sie die positiven Seiten: Schlechte Organisation fördert das Improvisationstalent.

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Small-Talk-Themen für Spanien

SpanienDie meistgesprochene Fremdsprache weltweit ist Englisch. Spanisch kommt gleich dahinter – vor Französisch und Italienisch. Schon haben Sie ein Thema, das Sie mit einem einheimischen Gesprächspartner anschneiden können.

Vielleicht erklärt die Beliebtheit der eigenen Sprache auch die mangelnde Bereitschaft vieler Spanier, eine zweite zu erlernen. Freilich müssen wir Deutschen uns auch an die eigene Nase fassen: Spanien ist unser Urlaubsland Nummer 2 – doch was wissen wir über Land und Leute?

 

Grausame Spanier?

Der Stierkampf ist bei uns als blutige Angelegenheit verschrien; Spaniern wird zuweilen Tierquälerei nachgesagt. Dabei sind die Iberer zum Teil sehr tierlieb. Jedes Kind auf der Halbinsel kennt Juan Ramón Jiménez und seinen Esel Platero.

Manche Geschichten des Schriftstellers um den langohrigen Vierbeiner finden Sie auch in deutschen Schulfibeln: Mit seinem Besitzer und Ich-Erzähler zockelt Platero durch sein andalusisches Heimatdorf, zu den Feigenhainen und zurück zum Stall, wo er seinen Mittagsschlaf hält. Beide nehmen an der Weinlese teil und an der Fronleichnamsprozession, und im Frühling beobachten sie die ersten Schwalben. Für diese poetischen Streifzüge bekam Jiménez 1956 den Nobelpreis für Literatur.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Jeder in Deutschland kennt den spanischen Stier an sich, kaum einer kennt den spanischen Esel Platero. Dabei hat der Esel den Nobelpreis gewonnen, oder vielmehr sein Schöpfer Jiménez …“

 

Kommt Ihnen etwas spanisch vor?

Kehren wir noch einmal zur Sprache zurück. Die Redensart, jemandem komme etwas spanisch vor, geht zurück auf Karl V. Der war König von Spanien und ab 1519 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Er hat die Wendung geprägt, da ihm viele spanische Sitten befremdlich anmuteten – obwohl er in diesem Land geboren wurde und erst als junger Erwachsener Deutsch lernte. In Spanien lautet das Gegenstück zu dieser Redewendung übrigens „Esto me sueña a chino“, was so viel heißt wie „Das kommt mir chinesisch vor"!

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Sie wundern sich? Was Ihnen vielleicht chinesisch vorkommt, kommt mir wie Karl V. spanisch vor …“


 Vorsicht vor diesen Fettnäpfchen

Beim Small Talk in Spanien sollten Sie die Politik in Form von Franco-Diktatur oder baskisch-separatistischer ETA außen vor lassen. Loben dürfen Sie dagegen Pedro Solbes. Als EU-Kommissar für Wirtschafts- und Währungsangelegenheiten tat er viel für die reibungslose Einführung des Euro. Leider hatte er als spanischer Wirtschaftsminister weniger Glück und wurde von Regierungschef Zapatero entlassen.

Ein Tabu bleibt der Stierkampf: Für viele Spanier ist er Teil ihrer Kultur.
Sakrosankt ist auch die Königsfamilie: Der bescheidene Stil am Hof gefällt selbst politisch links eingestellten Spaniern.

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Geschäftsessen brechen das Eis und bringen gute Geschäfte – aber nur, wenn Sie die RICHTIGEN Themen beim Small Talk anschneiden – und wissen, was Sie unbedingt unterlassen sollten!
  • Sind Ihnen die Tabu-Themen der US-Amerikaner bekannt?
  • Wissen Sie, was Franzosen erwarten, bevor Sie zum Geschäftlichen kommen?
  • Kennen Sie die Gesprächsthemen, auf die Italiener Wert legen?
Achtung – in jedem Land herrschen da andere Gepflogenheiten!

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Small-Talk-Themen für Österreich

Österreich„Deutsch“, lästerte der Wiener Schriftsteller Friedrich Torberg, „ist die gemeinsame Sprache, die Deutsche und Österreicher trennt.“ Tatsächlich ist die Mentalität der beiden Völker sehr unterschiedlich. Doch lassen sich im Small Talk rasch einige Themen finden, über die Sie sich mit einem Gesprächspartner aus unserem Nachbarland verständigen können.

 

In Österreich ist sogar Geld ein Small-Talk-Thema

Geld ist als Small-Talk-Thema nicht üblich. Doch wenn es um Gegenstände geht, die täglich durch viele Hände wandern, dürfen Sie eine Ausnahme machen. Beispiel: die Dame auf dem österreichischen Zwei-Euro-Stück. Das ist nicht Maria Theresia, sondern Bertha von Suttner. Die kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gestorbene Pazifistin wurde 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Lange Zeit hatte ich gedacht, bei der Dame auf Ihrem Zwei-Euro-Stück handle es sich um Maria Theresia …“

 

Von der ernsten Musik zur leichten Muse

Nicht nur die klassische Musik hat in unserem Nachbarland Genies hervorgebracht. Das erfolgreichste ursprünglich in deutscher Sprache getextete und komponierte Lied stammt von einem Österreicher: Johann Hölzel. Nie gehört? Sein berühmtester Hit war „Rock me Amadeus“. Wenn Sie jetzt einwenden, dieses Stück sei von Falco, haben Sie auch wieder Recht: So lautete Hölzels Künstlername.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Als Deutscher kann man ein bisschen stolz auf Nena sein: Ihre ‚99 Luftballons‘ standen in 14 Ländern auf Platz eins. Aber der Österreicher Johann Hölzel war unter seinem Künstlernamen Falco ja noch viel erfolgreicher …“

 

Nach dem Tod größer als lebendig?

Der Komponist Gustav Mahler war Hofoperndirektor in Wien. Glücklich wurde er in diesem hohen Amt nicht. Wenige Tage vor seinem Tod beklagte er sich bei seinen Freunden: „Österreich ist schon ein seltsames Land. Muss man hier unbedingt erst gestorben sein, damit einen die Leute leben lassen?“ Ähnlich der Ökonom Joseph Schumpeter: Die von ihm geleitete Privatbank ging Pleite. Auch als Politiker erlitt er Schiffbruch: Nach nur 7 Monaten im Amt musste Schumpeter als österreichischer Finanzminister zurücktreten. Erst seine Abhandlung „Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“ verhalf ihm zu Weltruhm – nach seinem Ableben.

„Muss ich erst sterben, um zu leben?“ Diese Frage stellte auch der Sänger Falco auf dem Album „Out of the Dark“, das erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Nach dem Welterfolg von „Falco 3“ ging es für den Künstler bergab. Erst der Umstand seines ungeklärten Todes ließ das Interesse an seiner Person sowie die Verkaufszahlen des letzten Albums deutlich ansteigen.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Es gibt weltweit viele große Künstler und Geister, die erst nach ihrem Tod anerkannt oder berühmt wurden. In Österreich scheint es besonders schwierig, Ruhm bereits zu Lebzeiten zu ernten, oder?“


Vorsicht vor diesen Fettnäpfchen!

Vor allem der Wiener grantelt gern. Überlassen Sie ihm das Meckern, etwa über die Politik. Wenn Ihnen beispielsweise die Verehrung des toten Jörg Haider merkwürdig vorkommt: Behalten Sie’s für sich. Österreicher fühlen sich von Deutschen oft bevormundet. Hören Sie lieber länger zu – statt sich mit gewagten Einschätzungen allzu weit aus dem Fenster zu lehnen.

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Small-Talk-Themen für die Türkei

TürkeiWer glaubt, vom Leben der größten Minderheit hierzulande – in Deutschland leben 2,1 Millionen türkischstämmige Menschen – auf das Leben in der Türkei schließen zu können, liegt falsch.

Allein das Straßenbild belehrt den voreingenommenen Besucher auf den ersten Blick eines Besseren: Kopftücher sind kaum zu sehen. Im türkischen Staat sind die Menschen islamisch geprägt, doch die Ausübung der Religion ist strikt Privatsache. Das hat der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal, so verfügt.


Ein sehr moderner Staat

Ende Oktober 1923 rief der Vater aller Türken – so der Beiname Mustafa Kemals, Atatürk, in der deutschen Übersetzung – die Republik aus. Das war das Ende des Osmanischen Reichs – und die Geburtsstunde der säkularen Türkei. Das Erziehungswesen wurde der Kirche entzogen und dem Staat unterstellt. Überhaupt wurde der gesamte Besitz der Geistlichkeit in weltliches Eigentum umgewandelt.

Der befürchtete Volksaufstand blieb aus; es regte sich kaum Protest.
Natürlich müssen Sie sich in der Türkei in puncto Religion und Politik zurückhalten. Doch Mustafa Kemal ist schon ein Thema – auch für den Small Talk.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Überall sehe ich Bilder von Mustafa Kemal hängen. Wie groß ist sein Einfluss heute noch?“

 

Sonne, Mond und Rose

Türkische Familiennamen sind leicht verständlich. Der Grund: Erst 1934 erließ die türkische Republik ein Gesetz, das jeden verpflichtete, außer seinem Vornamen einen Familiennamen zu führen. Deren größter Teil ist aus dem allgemeinen Wortschatz gebildet – mit Vorliebe aus Wörtern, die ein mannhaftes Wesen und kriegerische Tugenden ausdrücken oder symbolisieren: Celik („Stahl“), Cetin („hart“), Coskun („feurig, lebhaft“), Demir („Eisen“).

Das Nationalbewusstsein zur Zeit der Republikgründung schlug sich in Familiennamen wie Türk („Türke“) oder Öztürk („reiner Türke“) nieder. Auch poetische Namen wie Ay („Mond“), Aydin („licht, hell“), Ceylan („Gazelle“), Gül („Rose“) und Günes („Sonne“) sind häufig.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Deutsche Namen sind geschichtlich häufig auf einen Beruf zurückzuführen. Bei türkischen Namen ist das anders, habe ich gelesen. Welche Bedeutung hat zum Beispiel Ihr Name?“

 

Andere Länder, andere Gesten

In der Türkei bedeutet ein Kopfschütteln nicht wie bei uns ein Nein, sondern drückt Unkenntnis aus: „Ich verstehe nicht.“ Möchten Sie eine ablehnende Antwort signalisieren, nehmen Sie den Kopf nach hinten und heben die Augenbrauen. Solch unterschiedliche Gestik und Mimik sorgt für manches Missverständnis – und liefert willkommene Munition für den Small Talk.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Gestern hat ein Mann auf alle meine Fragen mit Kopfschütteln geantwortet. Das hat mich sehr irritiert, obwohl ich ja weiß, dass diese Geste in der Türkei keine Ablehnung bedeutet.“


Vorsicht vor diesen Fettnäpfchen

Politik und Religion sollten außen vor bleiben. Vor allem der immer wieder von den Europäern hinausgeschobene EU-Beitritt der Türkei ist kein Thema, mit dem Sie sich Freunde machen. Das Gleiche gilt für das Armenierproblem, die Kurdenfrage oder die Rivalität mit Griechenland.
Die Türken sind stolz auf ihre recht junge Republik und teilweise recht nationalistisch. Lassen Sie sich davon nicht zu unvorsichtigen Äußerungen hinreißen.

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Small-Talk-Themen für Griechenland

GriechenlandGriechenland ist für viele Touristen das Griechenland der Antike. Mit der können längst nicht alle heutigen Griechen etwas anfangen. Für sie zählt der moderne Staat. Der wurde 1821 geboren, als der Aufstand gegen die Türken begann. Prominentester ausländischer Mitkämpfer im Freiheitskampf war damals der englische Dichter Lord George Gordon Byron. Erwähnen Sie ihn ruhig in Ihrem Small Talk.

 

Die Griechen und ihr Dorf

Als Lord Byron das erste Mal Athen zu Gesicht bekam, soll sein einheimischer Führer ausgerufen haben: „Herr! Herr! Da ist das Dorf!“ Athen ein Dorf? Vielleicht im Sommer, wenn Sie gerade Griechenland besuchen und alle Athener Ferien außerhalb der Riesenstadt machen. Griechenland hat gerade mal 11 Millionen Einwohner, von denen 3,5 Millionen in Athen leben. Entsprechend verstopft sind die Straßen, entsprechend verschmutzt ist die Luft. Überlassen Sie aber den Einheimischen das Lamentieren darüber. Diese locken Sie leicht aus der Reserve – und haben bereits Ihr Small-Talk-Thema.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Ich kenne Athen nur als Postkartenidyll mit dem Akropolis-Motiv. Wie ist das moderne Leben in der Hauptstadt?“

 

Die Griechen und ihr Sorbas

Kopfmensch trifft Lebemann: Davon handelt der Roman Alexis Sorbas des Griechen Nikos Kazantzakis. Im wirklichen Leben begegnete der Schriftsteller seinem Sorbas auf dem heiligen Berg Athos im Norden des Landes, als dieser dort Bäume abhackte. Im Roman änderte Kazantzakis nur den Vornamen: Aus Georgios wurde Alexis. Kazantzakis wurde berühmt, und noch berühmter wurde der Film des Regisseurs Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Hauptrolle.

Er heimste gleich drei Oscars ein. Unvergessen die Szene, in der Sorbas den schüchternen und etwas steifen Ich-Erzähler zum Sirtaki animiert und anschließend alles um ihn herum an die Wand tanzt und spielt. Kazantzakis wurde in Heraklion auf Kreta geboren, und nach ihm ist der Flughafen von Heraklion benannt.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Muss ich mir Griechenland so vorstellen wie in dem Roman Alexis Sorbas? Oder gilt der nur für Kreta?“


Vorsicht vor diesen Fettnäpfchen!

Das (ausbaufähige) Verhältnis zwischen Griechen und Türken geht nur Griechen und Türken an. Halten Sie sich lieber aus solchen Zwistigkeiten heraus. Mit Vergleichen zwischen der Hochkultur des antiken Griechenland und dem in den Augen mancher Althistoriker etwas heruntergekommenen modernen Staat machen Sie sich ebenfalls wenig Freunde.

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Sind Ihre Tischmanieren KARRIERETAUGLICH?

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Nicht nur Bewerbern passiert es:

Sie werden in ein schickes Restaurant eingeladen – und dort blamieren sich viele bereits, bevor auch nur der erste Gang serviert wurde!

Schon am Brotverzehr erkennen geschulte Augen, ob jemand über gute Manieren verfügt. Für manchen Gesprächspartner ist hier bereits die gesamte Verhandlung „gegessen“ ... doch nicht für SIE! Denn ...

... diese Herausforderung können Sie ab heute ganz getrost annehmen. Sie kennen sich aus. Weil Sie Ihren Stil-Berater zu Rate gezogen haben, sind Sie auf alle Tischsitten-Probleme bestens vorbereitet.

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Small-Talk-Themen für Frankreich

FrankreichHöflichkeit wird in Frankreich großgeschrieben. Das Gebot gilt für alle gesellschaftlichen Schichten, und auch von Ausländern wird entsprechendes Verhalten erwartet. Es beginnt mit der Sprache: Hier sollten Sie sich möglichst bald das Wörtchen „Pardon“ aneignen. Sie können es nicht oft genug benutzen: bei Nachfragen, als Entschuldigung, bei der Bitte um Durchlass oder um einen freien Platz.

 

Paris, die Stadt der Mode

Beim Stichwort Paris fällt vielen Deutschen das Attribut „Stadt der Mode“ ein. Und da liegen sie auch richtig. Beispiel Coco Chanel: Zu Lebzeiten der Erfinderin des kleinen Schwarzen wurden Damen in ein Korsett gezwängt und obendrein geschmückt wie Weihnachtsbäume. Coco Chanel verzichtete auf alles, was überflüssig war, und setzte auf schlichte Eleganz. Das kurz unterhalb des Knies endende kleine Schwarze sorgte bei seiner Einführung 1926 für einen Skandal. Als Coco Chanel 1971 starb, war es längst salonfähig.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: Wir Frauen (als Mann ersetzen Sie das Wir durch Die) haben den französischen Modeschöpfern einiges zu verdanken: …“

 

Keine lahme Ente

Die Franzosen sind ein mobiles Volk und daher stolz auf ihre Autoindustrie. Die großen 3 heißen Renault, Peugeot und Citroën. Aus letztgenannter Fabrikation stammt ein preiswertes, unverwüstliches Modell, das dem Image unangepasster Studenten und emanzipierter Frauen entsprach.

Gedacht war der 2 CV, in Deutschland auch Ente genannt, für eine andere Klientel: „Entwerfen Sie ein Auto“, wies Citroën-Direktor Pierre Boulanger seine Techniker an, „das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 Stundenkilometer schnell ist und dabei nur 3 Liter Benzin auf 100 Kilometern verbraucht.“ Immerhin schaffte die erste Ente mit 375 Kubikzentimetern und neun Pferdestärken ein Tempo von 70 Stundenkilometern.

Der große Knigge-Tipp: Ihr Anknüpfungspunkt: „Leider sieht man auf den Straßen kaum noch den deux chevaux. Aber die neuen französischen Automodelle haben auch das gewisse Etwas …“

 

Vorsicht vor diesen Fettnäpfchen

Kennen Sie das französische Wort für Waldsterben? Müssen Sie auch nicht, denn es heißt dort genauso. Die Umwelt ist selten ein Thema – für entsprechend schrullig hält man in Frankreich uns Deutsche. Vermeiden Sie bei Ihrem Besuch solche Themen – und treten Sie vor allem nicht als Besserwisser auf. Themen wie Tierschutz (Verzehr von Froschschenkeln, Gänsestopfleber), Atomkraft (deckt zu 80 % den Energiebedarf des Landes) und Randale in den Vorstädten sollten Sie ebenfalls nicht ansprechen.

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Der große Knigge-Zusammenfassung: 5 Tipps für den Small Talk im Ausland – von Elisabeth Bonneau

„Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind.“  Dieses Zitat des deutschen Journalisten und Schriftstellers Kurt Tucholsky (1890–1935) wird untermauert von Joseph Conrad (englischsprachiger Schriftsteller polnischer Herkunft, 1857– 1924): „Jede Nation ist im Ausland hauptsächlich durch ihre Untugenden bekannt.“ Da er als Kapitän in der Welt herumkam, wusste er zur damaligen Zeit sehr gut, wovon er sprach.

An der Tatsache, dass jede Nation Vorurteile gegen andere Länder pflegt, können Sie nichts ändern. Sie können das Bild des „Deutschen im Ausland“ jedoch vervollständigen, indem Sie ein informierter, aufgeschlossener und kritischer Gesprächspartner sind:

  1. Bereiten Sie sich auf eine Begegnung vor. Lesen Sie, lernen Sie aus den Erfahrungen anderer. Werden Sie sich Ihrer Vorurteile bewusst und seien Sie bereit, diese zu hinterfragen.

  2. Denken Sie daran, dass auch Ihr Gesprächspartner gewisse Vorurteile gegenüber Ihrer Kultur hat. Überlegen Sie sich im Voraus, wie Sie diesen begegnen können.

  3. Zeigen Sie jedem Menschen gegenüber Respekt. Imitieren Sie nicht die Sprechweise, Gesten und Rituale anderer Kulturen.

  4. Gehen Sie in der Fremde nicht von Ihren eigenen Maßstäben aus. Schließen Sie nicht von einer Person auf das ganze Land.

  5. Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten zwischen Ihrer und der fremden Kultur. Sollten Sie keine finden, seien Sie dennoch tolerant!

Für diesen Auftritt wurden Bilder des Fotografen vision images aus der Bild-Datenbank Fotolia verwendet.

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Alle Themenschwerpunkte:

 

05.02.2012   

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