Stilregeln mit tieferem Sinn

Umgangsformen sollten immer einen tieferen Sinn haben. Hier einige Beispiele des großen Knigge:

Treppe: Warum der Herr hinter der Dame geht:
Der Herr geht heute hinter der Dame die Treppe herauf, damit er sie auffangen kann, wenn sie stürzen sollte. Früher ging er vor, damit er ja keinen Blick auf ihre Fesseln oder Waden werfen konnte, was unschicklich gewesen wäre.

Restaurant: Warum geht der Kavalier hier vor?
Im Restaurant hingegen geht der Herr unverändert vor. Diese Regel stammt aus der Zeit, als man die Dame beschützen wollte: Vor unliebsamen Blicken oder vor Rüpeleien auf dem Weg zum Tisch.

Auf stark befahrenen Straßen:
Auf Straßen und Wegen hingegen ging der Mann früher immer links von der Dame. So konnte er im Ernstfall sofort mit der rechten Hand nach dem Degen greifen und kampfbereit sein, um sich und seine Begleitung zu verteidigen. Heute geht der Kavalier so, dass er der Dame die sichere Hälfte des Bürgersteigs überlässt. Nur in offiziellen Situationen achtet man heute noch darauf, dass die Dame an der rechten Seite ihres Begleiters ist.

Auf schmalen Wegen:
Wie ist es nun auf schmalen Wegen? Ist die Situation ungefährlich, spricht nichts dagegen, der Dame den Vortritt zu gewähren. Ist es jedoch dunkel oder eine unbekannte Umgebung, sollte der Herr vorangehen. Am besten mit einer kurzen Erklärung: "Das sieht etwas duster aus, ich gehe besser vor."