Handschuhe und Hut - Alte Sitten

Viele Gepflogenheiten haben einen lange zurückliegenden Ursprung. Die "Dame-rechts-Regel" entstand in einer Zeit, als die Männer links den Degen trugen.
Zum einen wäre das Gehen für die Dame an der linken Seite äußerst unbequem gewesen, da sie sich pausenlos am Degen gestoßen hätte. Zum anderen musste der Kavalier die linke Seite frei haben, um gegebenenfalls den Degen zur Verteidigung ziehen zu können. Der große Knigge erklärt diese Sitten der altvorderen Zeit:

Handschuhe ausziehen
Das Ausziehen des Handschuhs bei einer Begrüßung ist eine ritualisierte Geste. Sie entstand aus einem nonverbalen Signal, das zur Ritterzeit üblich war. Legte ein Ritter den rechten Kettenhandschuh seiner Rüstung ab, war er verwundbar bis zur Kampfunfähigkeit(da auch damals die meisten Rechtshänder waren, galt diese Hand als die "Schwerthand"). Es handelte sich also um ein Friedenssignal.

Hut ziehen
Die Steigerung dieses Friedenssignals war es, mit entblößtem Haupt zu erscheinen. Wer seinen Helm abnahm, legte quasi sein Leben in die Hand des Besuchten: Er wäre nicht nur verwundbar wie ohne Handschuhe sondern mit einem Hieb zu töten gewesen. Daraus entstand das Ritual, zum Gruß auf der Straße den Hut zu ziehen.

Heute keine "Kriegserklärung" mehr
Das Aufbehalten des Hutes beim Gruß und das Anbehalten des Handschuhs beim Händedruck werden heute vorrangig von der jungen Generation aber nicht mehr als "Kriegserklärung" empfunden. Diese beiden Gesten sind nur noch dann nötig, wenn ältere Menschen sie pflegen.
Beispiele:
Sie treffen eine alte Dame auf der Straße die beginnt, den Handschuh auszuziehen, ehe sie Ihnen die Hand reicht. Tragen Sie ebenfalls welche, haben Sie dann ja die Zeit, sich ebenfalls aus diesem ,,Futeral" zu pellen und sollten es aus Gründen der Höflichkeit auch tun!
Ebenso ist das, wenn Sie als Mann von einem älteren Herrn mit der ,,Hut-hoch-Geste" gegrüßt werden. Auch dann ist es ein Gebot der Höflichkeit, diesen Gruß auf entsprechende Art zu erwidern.