So interpretieren Sie Bekleidungsangaben richtig – vom "Black tie" bis zum "Come as you are"

Bekleidungsangaben - Dresscode

Dresscodes erleichtern uns das Leben, denn sie verhindern, dass wir uns unpassend kleiden. Oft werden aber keine Angaben zur geforderten Bekleidung gemacht. Deshalb sollten Sie für alle Situationen das passende Outfit kennen und parat haben.

In diesem Beitrag aus dem großen Knigge erfahren Sie, wie Sie stets korrekt gekleidet auftreten.

Quelle: Fotolia © Sebastiano Fancellu

Was heißt eigentlich „Dresscode“?

Was steckt genau hinter dem englischen Wort „Dresscode“? Die Übersetzung schafft Klarheit. Es setzt sich aus den Begriffen „dress“ = Kleid/Bekleidung und „code“ = Regelwerk/Regelung zusammen.

In den USA und Großbritannien ist der Hinweis auf „dresscode“ jedoch häufig nicht mit genaueren Angaben zur Bekleidung verbunden.

 Achtung, Krawattenzwang!

Gibt es etwa in einem Golfclub, in einem Restaurant oder im Spielcasino ganz allgemein einen Dresscode, sollen die Besucher auf ordentliche Kleidung achten.

Für die Herren ist die Interpretation einfach: Sakko und Krawatte. Was die Frauen dazu anziehen, ist schon schwieriger zu sagen, da die Mode ihnen vieles erlaubt. Wichtig ist, dass das Outfit gepflegt ist, zur Trägerin passt und farblich und stilistisch ansprechend wirkt.

Neben der pauschalen Angabe „Dresscode“ existieren natürlich auch detailliertere Angaben, welche Kleidung gewünscht ist. Zum Beispiel: In vielen förmlichen schriftlichen Einladungen gibt der Bekleidungsvermerk den Gästen vor, welche Kleidung angemessen ist.

 

Das große Knigge-Extra-Wissen: Der förmliche Dresscode

Ein förmlicher Dresscode gilt z. B. für die Gäste der Queen beim Pferderennen in Ascot. Im königlichen VIP-Bereich, der sogenannten Royal Enclosure, müssen die Herren Cut tragen und die Frauen ein Kleid oder Kostüm.

Hosenanzüge sind übrigens tabu, seit sie der Duke of Norfolk 1967 mit dem Bann belegt hat (der Duke of Norfolk ist sozusagen der oberste Protokollchef der Königin). Zum Ausgleich hat er über die Rocklänge nichts gesagt.


 

 Klare Vorgabe – klares Befolgen

Strenge Dresscodes sind im normalen Leben selten geworden, sie gelten nur noch bei sehr förmlichen Anlässen wie etwa Bällen, Hochzeiten und anderen Feiern. Als höflicher Gast haben Sie es dann relativ einfach: Bleiben Sie modisch in dem Rahmen, den der Gastgeber gesetzt hat.

 

 Unausgesprochene Regeln lassen Spielraum

Im Alltag ist es wichtig, die unausgesprochenen Dresscodes und die Kannbestimmungen zu kennen. Im Prinzip passiert Ihnen zwar nichts, wenn Sie zum Beispiel in sportlicher Freizeitkleidung ins Theater gehen – dennoch wären Sie unpassend gekleidet.

Im Beruf gilt: Mit steigender Hierarchieebene lässt die Toleranz immer weiter nach. Von Spitzenkräften wird in Unternehmen auch eine Spitzengarderobe erwartet. Sie sind gut beraten, die ungeschriebenen Kleidungsregeln in Ihrem Unternehmen zu kennen und einzuhalten.

 

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Karrierefaktor gute Umgangsformen und stilsicheres Auftreten – wie sieht es da bei Ihnen aus?

Quelle: Fotolia © Monkey Business

Dass Sie mit Feingefühl und souveränem Auftreten Sympathiepunkte sammeln, wissen Sie natürlich. Aber – wüssten Sie auch,

  • ob Sie grüßen sollten, wenn Sie Ihre Chefin/Ihren Chef auf der Toilette treffen?
  • wie Sie stilvoll reagieren, wenn Ihnen im Meeting ein peinlicher Versprecher unterläuft?
  • bei welchen Veranstaltungen von Ihnen pünktliches Erscheinen erwartet wird – und wann es stilvoller ist, lieber ein wenig zu spät zu kommen?
Wenn Sie diese Etikette-Fallen kennen, haben Sie vielen Kollegen etwas voraus: Man wird Sie nicht nur für sympathisch, sondern für KARRIERE-TAUGLICH halten ... und Sie haben Job-Chancen, die anderen für immer verschlossen bleiben. Einfach nur, weil Sie sich sicher in Gesellschaft und Job bewegen.

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Nützliche Hilfe oder Bevormundung?

Geschriebene Dresscodes finden Sie auf Einladungen, z. B. durch den Vermerk „Abendgarderobe“ oder „dunkler Anzug“. Der Gastgeber verspricht sich dadurch zweierlei:

1.Er möchte zum Beispiel den feierlichen Anlass durch die passende Kleidung seiner Gäste gewürdigt wissen. Ein Ball wäre kein richtiger Ball, wenn die Gäste in beliebiger Kleidung erscheinen dürften.
2.Er möchte seinen Gästen das Rätselraten über die angemessene Kleidung abnehmen. Wenn die Vorgaben klar sind, sinkt das Risiko, dass jemand komplett over- oder underdressed erscheint und sich unwohl fühlt. Schließlich weiß der Gast nicht in jedem Fall, ob man rustikal oder gediegen feiern wird. Wer in seinem besten Anzug zum legeren Grillfest erscheint, liegt mit der Wahl seiner Kleidung vollkommen daneben.



Geschriebene Dresscodes bei festlichen Anlässen

Es gibt althergebrachte, klassische Bekleidungsvermerke, die auch heute immer noch relevant sind:

  • dunkler Anzug
  • Smoking
  • Frack
  • Cut

Sind die Angaben so klar, haben Sie als Herr nur 2 Möglichkeiten: Entweder Sie erscheinen in dem vorgeschriebenen Dress, oder Sie bleiben zu Hause. Den Damen wird unterstellt, dass sie genug Stilgefühl besitzen, um ihre Kleidung an der des Herrn auszurichten.

 
Dunkler Anzug


Bild - Dunkler Anzug Der dunkle Anzug ist die Allround-Garderobe für beinahe alle festlichen Anlässe des Tages und des Abends: Mit ihm sind Sie in 95 % der Fälle richtig gekleidet. Er kann auch immer dann getragen werden, wenn die Einladung zu einem förmlichen oder festlichen Anlass nichts anderes vorschreibt.

Der dunkle Anzug besteht aus einem Ein- oder Zweireiher (mit oder ohne Weste) in dunklen Grau- oder Blautönen, weißem Hemd (am Tage auch in Hellblau oder Rosa), einer dezent gemusterten Krawatte und schwarzen Schuhen (ein Muss).

Der dunkle Anzug ist übrigens nicht Schwarz, denn diese Farbe ist traditionell dem Smoking vorbehalten.

Ausnahme: Bei Beerdigungen kann auch am Tage ein schwarzer Anzug getragen werden.

Grundsätzlich wird der dunkle Anzug zu jeder Jahreszeit getragen - an heißen Sommertagen aus leichteren Stoffen.

Typische Anlässe für den dunklen Anzug

Typische Anlässe sind feierliche berufliche und private Einladungen: Hochzeiten (falls nicht Cut, Smoking oder Frack gewünscht sind), standesamtliche Trauungen, Taufen, Jubiläen, Abschluss- oder Diplomfeiern, Premieren, Preisverleihungen, Ehrungen, Empfänge, Festakte, Konferenzen.

Muss die Dame das „kleine Schwarze“ tragen?

Trägt Er Anzug, hat Sie die Wahl. Bei beruflichen Anlässen sind Sie als Dame mit einem Kostüm oder mit einem Hosenanzug richtig gekleidet: Etwas edler Schmuck und dezentes Make-up sorgen für die richtige Note. Bei Empfängen, Jubiläen, Hochzeiten oder Ehrungen können Sie sich zum Beispiel auch für ein schlichtes Tageskleid oder Etuikleid entscheiden, das „kleine Schwarze“ ist natürlich auch möglich. Ein langes Abendkleid passt nicht zum Anzug, das wäre übertrieben.

 

Der große Knigge-Extra-Tipp: Tragen Sie als Dame bei den typischen Anzuganlässen grundsätzlich Feinstrumpfhosen oder Seidenstrümpfe, die das gesamte Bein verdecken. Einzige Ausnahme: Beim "kleinen Schwarzen" am Abend dürfen Strümpfe fehlen.



 

Smoking

(auch: kleiner Gesellschaftsanzug, Cravate noire, Black tie, Tuxedo)


Bild - Smoking Das französische „Cravate noire“ heißt wörtlich übersetzt „schwarze Krawatte“. Damit ist die schwarze Schleife zum Smoking gemeint und gleichzeitig der Smoking selbst. Die deutsche Bezeichnung für den Smoking lautet „kleiner Gesellschaftsanzug“, allerdings kennen viele diesen Begriff nicht mehr.

In den USA heißt der Smoking „Tuxedo“ oder kurz „Tux“, in England „Black tie“. Der Smokinganzug selbst kann schwarz oder nachtblau sein (die Schleife immer schwarz, auch zu nachtblauem Stoff).

Was für Ihn zum Outfit gehört

  • Die Smoking-Hose ist an der Außennaht mit einem einfachen Streifen, dem sogenannten Galon versehen. Die Smoking-Jacke hat ein seidenbesetztes Revers.
  • weißes Smoking-Hemd, schwarze Fliege
  • Einstecktuch (weißes Leinen oder farbige Seide)
  • schwarze Seidenkniestrümpfe (oder aus feiner Wolle)
  • Abendschuhe aus schwarzem Lackleder oder auf Hochglanz poliertem Boxcalf (als Schnürer oder Herrenpumps mit Ripsschleife).

 

Das große Knigge-Extra-Wissen: Der Outdoor-Smoking

Das helle Dinnerjacket ist nur noch selten anzutreffen: Es wird zu typischen Smoking-Anlässen getragen, die an Bord von Schiffen und unter freiem Himmel stattfinden – sofern die See in der Nähe ist. Es ersetzt die Jacke des normalen Smokings, der Rest bleibt wie gehabt. Die Briten nennen das Dinnerjacket übrigens „white dinnerjacket“. Dinnerjacket ohne Farbangabe steht im Sprachgebrauch der Insel für das, was wir als Smoking bezeichnen.

Für die Dame ändert sich nichts, wenn das helle Dinnerjacket getragen wird, allerdings kann sie ein Kleid mit sommerlicherer Anmutung wählen.



Damen haben die Wahl


Die Damen haben bei diesem Bekleidungsvermerk mehrere Möglichkeiten:

  • kleines Abendkleid, also zum Beispiel eine Kreation bis Knielänge oder länger. Stoffe und Farben können nach Geschmack und Modetrend gewählt werden, in jedem Fall sollte das Kleid aber eine festliche Aura haben
  • das „kleine Schwarze“
  • elegantes Kostüm oder festlicher Hosenanzug, z. B. aus Seide

Zu den genannten Bekleidungsvarianten gehört eine Abendtasche, zum Beispiel in Baguette-Form oder auch im Stil der gepolsterten Chaneltasche mit Kette als Riemen. Derzeit liegen reich und fantasievoll verzierte Taschen extrem im Trend.

Stilfrage: Welche Schuhe passen?

Je festlicher und feierlicher die Damengarderobe, desto offener der Schuh. Die schlicht-praktischen, rundum geschlossenen Pumps passen eher zum Business-Kostüm als zum eleganten Abendkleid.

Dass Bequemschuhe jedweder Art nicht in Frage kommen, muss in Deutschland (anders als in Italien oder Frankreich) leider erwähnt werden. Wer keine hohen Schuhe mag, liegt im Moment mit flachen Ballerinas sehr im Trend.

Strümpfe sind abends eigentlich Pflicht, nackte Beine gelten unter den Stars und VIPs allerdings als besonders schick.

Typische Smoking-Anlässe

Der Smoking ist festlicher als der dunkle Anzug, jedoch nicht so festlich wie der Frack. Abendveranstaltungen wie Bälle ohne Frackzwang (zum Beispiel der Frankfurter Opern- oder der Berliner Presseball) sind klassische Anlässe, um den Smoking aus dem Kleiderschrank zu holen. Oder: Dinnerpartys (Abendessen im vornehmen Rahmen) und Theater- und Konzertpremieren. Streng genommen wird der Smoking (oder das Dinnerjacket) erst am Abend getragen.

Es gibt allerdings akzeptierte Ausnahmen: das Opernfestival in Glyndebourne und die Wagnerfestspiele in Bayreuth. Und: In aristokratischen Kreisen wäre es undenkbar, auf Hochzeiten bereits am Tage den Smoking anzuziehen.

Es gibt aber auch legerere Ansichten, etwa: Der Smoking ist bereits bei Tageslicht erlaubt, wenn sich eine Veranstaltung bis in die Abendstunden erstreckt und es keine Gelegenheit gibt, sich vorher umzuziehen. Wünscht sich ein Brautpaar, dass Sie am Tag im Smoking kommen, haben Sie leider keine Wahl: Kommen Sie als höflicher Gast diesem Wunsch des Paares nach.

Bitte beim Smoking beachten!

  • Der Kummerbund (englisch „Cummerband“, sprich: „kammerbänd“) ist kein Muss, sondern eine Option zum einreihigen Smoking. Er leitet sich von der Schärpe ab, die in Indien um den Bauch gewickelt wurde. Die Falten müssen nach oben zeigen, da sie ursprünglichals Tasche für Eintrittskarten dienten.

  • Tragen Sie zum Smoking immer eine schwarze Schleife, niemals eine weiße (sie ist dem Frack vorbehalten). Wenn Sie Farbe einbringen möchten, dann beim Einstecktuch.

  • Die Smoking-Jacke gibt es mit oder ohne Schlitze, vielen sind diese jedoch zu sportlich. Welche Variante Sie wählen, ist Geschmackssache. Tabu sind allerdings Klappen an den Taschen oder Aufschläge an den Hosen.

 

Frack

(auch: Cravate blanche/ White tie)

 

Bild - Frack „Cravate blanche“ kommt ebenfalls aus dem Französischen und heißt wörtlich übersetzt „weiße Krawatte“. Zum Outfit gehören:

  • Die Frackjacke ist immer einreihig und kann nicht geschlossen werden. Das Revers ist wie beim Smoking seidenbesetzt.
  • eine weiße Schleife aus Baumwollpikee (deshalb derBegriff „Cravate blanche“)
  • Frackhemd mit Stehkragenbzw. Klappkragen
  • Manschetten und Brustbesatz sind wie Kragen und Schleife aus Baumwollpikee gearbeitet. Das übrige Hemd wird (je nach Geschmack) aus dem schleierartig transparenten Voile oder Popeline geschneidert. Die verschiedenen Stoffarten erinnern an die Zeit, als Kragen, Brust und Manschetten noch an das Hemd geknöpft wurden.
  • Frackhosen mit doppeltem Galon (2 parallel verlaufende Seidenstreifen an der äußeren Seitennaht)
  • Frackschuhe („Herrenpumps“ mit Ripsschleife)

 

Die große Abendrobe für die Dame

Bild - Abendrobe
Zum festlichen Auftritt passt eine Tiara



Die Dame wählt bei diesem Anlass eine lange Abendrobe und offene Abendsandaletten. Mit Abendrobe ist ein bodenlanges Kleid aus besonders wertvollem oder prachtvoll verziertem Material gemeint. Die Varianten sind zahlreich und die Modeschöpfer liefern immer neue Ideen, in der Regel ist die Abendrobe aber mit einem großen Ausschnitt versehen und lässt Arme und Schultern frei. Dazu passen lange Abendhandschuhe und großer Schmuck, zum Beispiel eine Tiara.


Festlicher Auftritt erwünscht


Natürlich ist dies auch der Moment für entsprechend festliches Make-up und eine Abendfrisur. Professionelle Hilfe von Friseur und/oder Visagist wäre bei besonders wichtigen Anlässen ratsam.

Auf dem Weg zum feierlichen Anlass schützt und schmückt ein Abendcape oder eine Stola. Ein kurzes oder knielanges Kleid passt nicht zum Frack – das wäre nicht feierlich genug.

Bitte beim Frack beachten:

  • Zum Frack wird niemals ein weißer Seidenschal umgelegt,dieses Accessoire gehört ausschließlich in die Welt der Operette. Der weiße Schal kann allenfalls zum schwarzen Frackmantel getragen werden und verbleibt mit ihm an der Garderobe.

  • Eine schwarze Schleife tragen zum Frack nur Kellner und Hauspersonal.

  • Zum Frack bitte keine sportlichen Uhren anlegen. Besser: Taschenuhr oder flache Armbanduhr.

Typische Frack-Anlässe

Die Anlässe für den Frack sind selten geworden. Er wird erwartet beim Wiener Opernball, bei Nobelpreisverleihungen, Staatsbanketten und bestimmten privaten Bällen (etwa bei Adelshochzeiten).

 

Cut (Morning coat)


Bild - Cut Cut ist die Kurzform von „Cutaway Coat“, auch als „Frack des Tages“ bekannt. Damit will man sagen, dass es sich um den förmlichsten Tagesanzug handelt. Die Briten bezeichnen ihn als „morning coat“, was den zeitlichen Einsatzbereich sehr gut trifft. Der Cut hat seinen Namen daher, dass er aus dem Gehrock entstanden ist. Dessen eckiger Abstich (so nennt der Schneider die Form der vorderen Kante) wurde zurückgeschnitten, um dem Träger mehr Bewegungsfreiheit zu geben. (Das englische „cut“ bedeutet „geschnitten“ und wird „Katt“ gesprochen.)

Es gibt den Cut in verschiedenen Farb- und Stoffvarianten, am weitesten verbreitet ist jedoch die Grundversion: schwarzer Rock (so der Fachausdruck für die Frackjacke), hellgraue Weste, gestreifte Hose, schwarze Schuhe im Oxfordschnitt, weißes Hemd mit Umlegekragen und Doppelmanschetten, Langbinder und als Krönung der schwarze Zylinder.

Außerdem werden Cuts auch in Anthrazit geschneidert, diese Variante gilt als besonders vielseitig. Die Hose zum Cut gibt es alternativ zum Streifenmuster auch mit Pepitakaro oder Glencheck.

Damen dürfen Farbe bekennen


Als Dame tragen Sie ein kurzes Kleid oder ein Kostüm, eventuell einen eleganten Hut. Das Kostüm ist sozusagen das Pendant zum Herrenanzug, bei dem Ober- und Unterteil aus dem gleichen Stoff geschneidert werden. Seit den Achtzigern des 20. Jahrhunderts hat sich das Kostüm (wiederum parallel zum Herrenanzug) zum Allroundstück für beinahe alle Situationen mit Dresscode gemausert.

Bei fröhlichen Anlässen sind frische, helle Farben angesagt, bei feierlichen oder traurigen Gelegenheiten dunkle Töne. Die Handtasche sollte zum feierlichen Anlass passen, ausgesprochene Abendmodelle (zum Beispiel mit glitzernden Pailletten) wären nicht richtig. Besser ein etwas zierlicheres Modell wählen.

Darauf abgestimmt sind die Schuhe, die beim Tagesanlass geschlossen sind. Im Sommer wären allerdings Riemchenpumps oder auch Mules eine gute Wahl (dabei handelt es sich um einen hinten offenen Absatzschuh).


Typische Cut-Anlässe


Auch die Anlässe, um einen Cut anzuziehen sind selten geworden – die Queen erwartet diesen Dress von ihren Gästen, wenn sie zur Garten-Party einlädt. Ansonsten passt er bei besonders festlichen privaten Tageseinladungen (Jubiläen, Geburtstagsfeiern, Adelshochzeiten), bei Ordensfeiern, Staatsempfängen und Staatsbegräbnissen.

Hellgrauer Cut für den Bräutigam


Ein komplett hellgrauer Cut (also Rock, Weste und Hose) wird bei Hochzeiten ausschließlich vom Bräutigam und seinem Trauzeugen getragen, außerdem beim Pferderennen in Ascot.

Bitte beim Cut beachten:

  • Bei Beerdigungen trägt man eine schwarze Weste und einen schwarzen Langbinder (also Krawatte).

  • Viele Cut-Anlässe sind sehr fröhlich (Hochzeiten, Pferderennen in Ascot), deshalb dürfen auch farbige Westen getragen werden (zum Beispiel im Sommer aus rosafarbenem oder gelbem Leinen oder gemusterter Seide) und gestreifte oder karierte Hemden mit weißem Kragen.

  • Häufig wird zum Cut ein Hemd mit Stehkragen und ein Plastron empfohlen. Der Plastron ist ein Vorläufer der modernen Krawatte. Im Prinzip besteht er aus einem länglichen Halstuch, das um den Hals gewickelt, überkreuzt und dann mit einer Nadel fixiert wird. Diese Variante wirkt romantischer und verspielter, als definitiv stilvoller gelten aber Langbinder und Umlegekragen.

 

Das große Knigge-Extra-Wissen: Der Stresemann
Der Stresemann ist benannt nach Gustav Stresemann, 1878 bis 1929 deutscher Außenminister und Friedensnobelpreisträger (1926). Dieser Anzug spielt heute keine bedeutende Rolle mehr. Er wird häufig als Pendant zum Cut geführt, dies ist jedoch nicht ganz korrekt. Er ist eine bürgerliche Erfindung aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die ursprünglich als Bürokleidung diente. Beim Stresemann wird der Schoßrock durch ein schwarzes Sakko ersetzt, der Rest wird vom Cut übernommen. Da Cut-Anlässe in der Regel bei traditionsbewussten Gastgebern stattfinden, wäre der Stresemann nicht angebracht.

Übrigens ist der Name „Stresemann“ nur im deutschsprachigen Raum geläufig (manchmal heißt er auch „Bonner Anzug“), in anderen Ländern ist er unbekannt und die Anzugform nicht Teil des Dresscodes.


 

Neben den klassischen Dresscodes „dunkler Anzug“, „Smoking“, „Frack“ und „Cut“ gibt es einige ungenauere Bekleidungsvermerke, die Ihnen als Gast einen größeren Spielraum gewähren sollen. Einige davon sind relativ neu und stammen aus dem angloamerikanischen Raum:

 

„Come as you are“


Diese Angabe ist im englischsprachigen Bereich verbreitet. Wörtlich übersetzt bedeutet sie: „Kommt, wie ihr seid“. Das heißt aber nicht, dass man sich vom Sofa schwingt und in Freizeitkleidung auf einer Party oder Vernissage erscheint.

Gemeint ist vielmehr, dass Sie direkt vom Büro kommen sollen und keine Abendkleidung anlegen müssen. Männer tragen Anzug und Krawatte. Das gilt übrigens im Prinzip auch dann, wenn jemand bei seiner Arbeit keinen Anzug trägt. Der Handwerker kommt also weder im Blaumann noch in dem Freizeitlook, den er bei administrativen Tätigkeiten trägt.

Er muss sich allerdings auch nicht verkleiden, wenn er sich im Anzug total unwohl fühlt. Er könnte z. B. Jeans und Sakko tragen oder einen sportlichen Kordanzug mit Rollkragenpullover. Analog dazu wählen Frauen Hosenanzug, Kostüm oder gepflegten Freizeitschick.

Typische Come-as-you-are-Anlässe

Für viele Clubabende, Partys, Vernissagen, Buchprämieren, Modenschauen, Dichterlesungen oder Vorträge müssen Sie sich nicht extra in Schale werfen. Bei solchen Anlässen repräsentieren Sie sich selbst: Gepflegt, doch eine gewisse Individualität – für die bei den klassischen Dresscodes wenig Raum bleibt – ist erlaubt und gewünscht.

Bitte bei „Come as you are“ beachten:

  • Wenn Sie nicht von der Arbeit zu dem Anlass gehen, sondern von zu Hause kommen, müssen Sie trotzdem den Dresscode befolgen.

  • Anzug/Kombination ohne Krawatte wird heute bei vielen Gelegenheiten akzeptiert. Legen Sie den Binder dann aber bitte vorher ab und nicht während der Veranstaltung. Ohne Binder wären Sie mit dem Anzug bei den meisten legeren Party-Anlässen, aber auch vielen Vernissagen und Events richtig gekleidet. Aber: Der wahre Gentleman wahrt die Form und trägt Krawatte.

 

Der große Knigge-Extra Tipp: Machen Sie mal eine Fliege
Wann immer die Krawatte verlangt wird, kann als gleichwertiger Ersatz auch eine Schleife (Fliege) umgebunden werden. Besonders stilvoll ist, wenn man selbst den Knoten schlingen kann.

Einzige Ausnahme: Zum Cut wird niemals eine Schleife getragen, immer nur der Langbinder oder ein Plastron.

 

 

Abendkleidung, festliche Kleidung


Diese Begriffe sollen den Gästen mehr Freiheiten erlauben, sind deswegen aber leider auch ungenau. Ist der Smoking gefragt oder der Frack? Vielleicht auch nur der dunkle Anzug? Fragen Sie am besten beim Gastgeber nach, wie festlich genau die Veranstaltung ausgelegt ist. Ansonsten kann es Ihnen wie mir bei der Medienpreisverleihung passieren, dass Sie als Einziger im Smoking antreten.

Oft ist mit Abendkleidung der dunkle Anzug für den Herrn und Kleid, Kostüm oder Hosenanzug für die Dame gemeint. Für die Herren hier ganz wichtig: immer schwarze Schuhe.

Typische Anlässe

Es kann sich um diverse Veranstaltungen handeln, bei denen Gastgeber oder Ausrichter nicht so recht wissen, was die Gäste anziehen sollen. Häufig sind es Privatanlässe, da sich professionelle Veranstalter meistens ein wenig besser auskennen. Wie gesagt: Besser, Sie fragen nach, damit Sie nicht over- oder underdressed erscheinen.

 

Der große Knigge- Tipp: Business Casual und Smart Casual

Die Modebranche spricht seit einigen Jahren von der „Casualisierung“. Damit meint sie den Trend zu immer lässigerer und bequemerer Kleidung. „Casual“ heißt auf Englisch soviel wie „lässig“, „ungezwungen“. Der Begriff „Smart Casual“ steht für einen lässigen Schick, der jedoch immer extrem gepflegt wirken muss („smart“ heißt auf Englisch „schick“ und auch „schlau“, in diesem Zusammenhang gilt die erste Bedeutung). In Branchen, die keine förmliche Business-Garderobe verlangen (Medien, Einzelhandel, Freiberufler), ist Smart-Casual-Kleidung oft die beste Lösung, um einen kompetenten, aber entspannten Eindruck zu machen.

Unter „Business Casual“ verstehen wir einen etwas förmlicheren Lässig-Schick. Beim Mann heißt das zum Beispiel Sakko und Kordhose mit Rollkragenpullover oder offenem Hemd (ohne Krawatte), bei Frauen edler Blazer mit gerade geschnittener Baumwollhose, Ballerinas und eventuell ein Seidentuch.

 Zusammenfassung:
Dresscode und typische Anlässe

DresscodeTypische AnlässeKleidung ER<nobr>Kleidung SIE</nobr>
dunkler Anzug
  • Ehrungen
  • Empfänge
  • Hochzeiten
  • Festakte
  • Konferenzen
  • Jubiläen
  • Abschlussfeiern
Anzug in dunklen Grau- oder Blautönen
  • Kostüm
  • Hosenanzug
  • kleines Schwarzes
  • Tageskleid
SmokingAbendveranstaltungen wie,
  • Bälle
  • Konzerte
  • Premieren
  • Hochzeiten
Smoking in Schwarz oder Mitternachtsblau
  • kleines Abendkleid
  • elegantes Kostüm
  • festlicher Hosenanzug
  • kleines Schwarzes
Frack
  • Bälle
  • Nobelpreisverleihungen
  • Staatsbankette
  • Adelshochzeiten
Frack mit weißer Schleifebodenlanges, prachtvolles Abendkleid
CutTagesveranstaltungen, wie
  • sehr festliche Jubiläen
  • Geburtstagsfeiern
  • Adelshochzeiten
Cut, z. B. mit farbiger Weste
  • Kostüm mit Hut
  • kurzes Kleid
Come as you areVeranstaltungen im Anschluss an den BüroalltagBürokleidungBürokleidung
Abend-kleidung / festliche KleidungUnterschiedliche festliche Anlässe:
  • Geburtstagsfeiern
  • Jubiläen
  • Empfänge
  • dunkler Anzug
  • Smoking
Im Zweifel besser nachfragen!
  • Kostüm
  • kleines Schwarzes
  • schicker Hosenanzug
Im Zweifel besser nachfragen!



 
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