Wie Sie Machtspiele erkennen und richtig reagieren

Machtspiele im Arbeitsumfeld

Umgangsformen sind Spielregeln des höflichen Miteinanders. Oft gelten im Beruf jedoch andere, unfaire Gesetze, wenn Machtspiele oder Machtdemonstrationen Einzelner die Arbeit bestimmen.

Wie Sie diese Spielchen erkennen und die Regeln zu Ihren Gunsten ändern oder ganz auf die „Partie“ verzichten, lesen Sie in diesem Beitrag.

Willst Du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht

„Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht“, sagte Abraham Lincoln (1809-1865) in seiner Amtszeit als 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Und ein anderer großer Politiker jener Zeit, Charles Maurice de Talleyrand (1754-1838), französischer Außenminister unter Napoleon I. sowie Ludwig XVIII., bemerkte: „Kein Abschied auf der Welt fällt schwerer als der Abschied von der Macht.“

Was für Politiker in früheren Zeiten galt, gilt auch heute – und zwar nicht nur für die großen, sondern auch für einige „kleine Leute“. Ihre wichtigste Bühne für Kungeleien um Macht und Einfluss sind die Arbeitsplätze und Büros. Zwar ist beruflicher Ehrgeiz im Grunde nichts Negatives. Doch wenn der Wunsch, Karriere zu machen, alles andere an den Rand drängt, kann es Probleme geben.

Machtspieler haben ihre eigenen Regeln

Wer sein Denken und Handeln in erster Linie Kategorien wie „Macht“ und „Einfluss“ unterordnet, mit dem ist nicht einfach auszukommen. Denn die „Zusammenarbeit“ folgt anderen Regeln als denen des guten, fairen Miteinanders:

  • Ein allzu macht- und karriereorientierter Kollege verdreht vielleicht gern einmal die Wahrheit, streut böse Gerüchte, leitet wichtige Informationen verspätet an Sie weiter oder hält sie sogar ganz zurück.

  • Ein Vorgesetzter lässt seine Mitarbeiter vielleicht bei Besprechungen immer besonders lange warten, beschimpft sie laut vor Dritten oder lässt sie unnötig viele Überstunden arbeiten.

Unfaires Spiel um Verantwortung

In jedem Fall schieben machtorientierte Karrieristen die Verantwortung für Negativ-Entwicklungen (etwa das Scheitern eines Projektes) weit von sich. Für Fehler, Misserfolge und Niederlagen werden stets andere verantwortlich gemacht, wie in dem folgenden Beispiel deutlich wird:

Beispiel: Den „Schwarzen Peter“ zuschieben

Jörg Muster ist einer von zwei Vorstandsassistenten eines Großkonzerns. Mit seinem Kollegen Peter Besser versteht er sich nicht sehr gut. Schon immer hat Peter Besser sich betont in der Nähe des Chefs aufgehalten und ihm bei jeder Gelegenheit nach dem Mund geredet. Doch nun fängt er auch noch an, Jörg Muster bei jeder Gelegenheit vor dem Vorstand bloßzustellen.

Ständig gibt es „Missverständnisse“, die dazu führen, dass Jörg Muster seine Arbeit nicht machen kann. Und jetzt noch das: Peter Besser distanziert sich in der Vorstandssitzung demonstrativ von einem Projekt, das beide gemeinsam initiiert haben, das aber nicht sehr erfolgreich läuft: „Das war die Idee von Herrn Muster. Ich war von Anfang an dagegen.“ Jörg Muster ist fassungslos, dass er allein für den Misserfolg geradestehen soll und dass sein Kollege ihm den „Schwarzen Peter“ zuschiebt.



Das Beispiel zeigt: Karrieristen wie Peter Besser verletzen die kollegialen Umgangsformen und Regeln des höflichen Miteinanders. Sie spielen ihre Machtspiele nach eigenen, unfairen Regeln – und zerstören so das Vertrauen, das für eine gute Zusammenarbeit unerlässlich ist.

So schützen Sie sich

Auch wenn es manchmal den Anschein hat: Als Betroffener sind Sie unfairen Machtspielen keineswegs hilflos ausgeliefert. Sie müssen sich zur Gegenwehr auch nicht auf das Niveau Ihres Gegenübers herablassen. Es genügt, wenn Sie seine unfaire Spielweise erkennen und angemessen reagieren. Wie Sie dabei vorgehen, erfahren Sie im weiteren Verlauf dieses Beitrags.

Vom schlechten Umgang mit der Macht:
2 Arten von Machtspielen

„Entscheidend ist nicht die Frage, ob man Macht hat, entscheidend ist die Frage, wie man mit ihr umgeht.“ Diese Worte von Alfred Herrhausen (1930-1989), Vorstandssprecher der Deutschen Bank, verdeutlichen, dass Macht an sich weder positiv noch negativ ist. Im Unternehmen haben viele Personen Macht:

Vorgesetzte verfügen mindestens über hierarchische Macht sowie Belohnungsmacht (beispielsweise die Macht, Beförderungen auszusprechen, interessante Projekte zu übertragen). Kollegen können über soziale Macht (etwa aufgrund ihres Charismas und ihrer Überzeugungskraft) oder Wissensmacht (infolge einer Expertenstellung) verfügen.

Wichtig ist, wie die jeweilige Person mit ihrer Machtposition umgeht. Neigt jemand dazu, seinen Einfluss zu missbrauchen, agiert er innerhalb zweier Grundformen: der Intrige oder der Machtdemonstration.
 
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Spiel Nr. 1: Die Intrige

Bei einer Intrige versucht ein Kollege, Sie mit unfairen Mitteln auszustechen, um sich selbst (noch) mehr Macht zu verschaffen. Er verbreitet Gerüchte über Sie, schwärzt Sie an, informiert Sie falsch oder gar nicht und veranlasst Sie so dazu, Fehler zu machen. Intrigen begegnen Ihnen zumeist unter Gleichrangigen, wenngleich auch Mitarbeiter Intrigen gegen Vorgesetzte (und umgekehrt) spinnen können. Oft werden sie verdeckt geführt, so dass die Opfer erst spät merken, was mit ihnen geschieht.

Wichtig: Die richtig große, abgefeimte Intrige ist im normalen Leben eher die Ausnahme. Viel verbreiteter sind die vielen kleinen Lügen, Halbwahrheiten und Verdrehungen, die Kollegen einsetzen, um selbst beruflich voranzukommen. Peter Besser im Beispiel oben ist solch ein typischer „kleiner Intrigant“.


Spiel Nr. 2: Die Machtdemonstration

Bei der Machtdemonstration spielt ein Kollege Ihnen gegenüber seine Macht aus. Er lässt Sie spüren, dass Sie von ihm abhängig sind und sich seinem Willen unterwerfen müssen. Machtdemonstrationen erleben Sie zumeist bei Vorgesetzten oder bei Kollegen, die Informationsmonopole im Unternehmen besitzen.

Schauplatz „Meeting“

Eine hervorragende Gelegenheit, um Macht zu demonstrieren, bieten Besprechungen und Meetings. Hier lassen sich Machtspielchen und informelle Hackordnungen sehr gut beobachten: Wer sitzt wo? Wer kommt als Letzter? Wer darf wen unterbrechen?

Beispiel: Gleiche Regeln für alle – außer einem

In der Quartalsbesprechung redet der Geschäftsführer, Herr Boss, seit einer halben Stunde ununterbrochen über einen Zeitungsartikel, den er am Morgen gelesen hat. Niemand der Anwesenden wagt ihn zu unterbrechen. Dann beginnt er plötzlich den Vertriebsleiter, Herrn Emsig, wegen seiner schlechten Quartalsergebnisse anzugreifen.

Herr Emsig verteidigt sich verzweifelt. Doch Herr Boss gerät immer mehr in Fahrt, beschimpft den Vertriebsleiter als unfähig und korrupt. Alles wissen, dass sie diese Schimpfkanonade nicht ernst nehmen dürfen. Aber sie zeigt, dass Herr Boss genügend Macht hat, um sich solche Unverschämtheiten ungestraft herausnehmen zu können.



Sie sehen: Im Prinzip kann jeder das Opfer von Intrigen oder Machtdemonstrationen werden. Die einzige Möglichkeit, sich davor zu schützen, besteht darin, dass Sie aufmerksam auf bestimmte Warnzeichen achten.

Die Intrige: So schützen Sie sich

Bild - Macht Intrigantes Verhalten gedeiht besonders gut in einem Klima des Misstrauens oder in Konkurrenzsituationen, etwa wenn Stellenabbau droht oder in Kürze eine wichtige Position zu besetzen ist. Oder wenn rigide Leistungskontrollen durchgeführt werden, die spürbare Auswirkungen auf das berufliche Fortkommen haben.

Die Kunst besteht darin, erst einmal zu erkennen, dass es sich um eine Intrige handelt. Beobachten Sie, wer Gerüchte streut oder z. B. Informationen vorenthält. Stellen Sie die Person zur Rede und zeigen Sie mögliche Konsequenzen auf.

Wehren Sie Intrigen ab – in 4 Schritten

  1. Registrieren Sie Indizien
  2. Misstrauen Sie Gerüchten
  3. Decken Sie Desinformationen auf
  4. Ändern Sie die Spielregeln: Machen Sie dem anderen die Konsequenzen bewusst

Schritt 1: Registrieren Sie Indizien

Vor diesem Hintergrund gilt (leider): Die Anzahl und die Schärfe von Machtspielen am Arbeitsplatz nimmt zu. Denn in den heutigen Zeiten knapper Kassen, Budgets, Posten und wählerischer Kunden wird in vielen Betrieben mit härteren Bandagen gekämpft als früher.

Die Grundeinstellung „Wir sitzen alle in einem Boot“ zeugt dann zwar von gutem kollegialem Stil – ist aber leider längst nicht mehr in allen Unternehmen Realität. Mit dem folgenden Test können Sie überprüfen, ob diese Negativentwicklung auch auf Ihren Arbeitsplatz zutrifft.

Test: Wie gut ist das Betriebsklima bei Ihnen?

9 Alarmsignale für ein Betriebsklima, das intrigantes Verhalten fördert

Tipp: Ersetzen Sie „Unternehmen“ durch „Bereich“, sollte das für Ihren Arbeitsplatz passender sein.
  1. Dem Management ist die Stimmung im Unternehmen gleichgültig. Hauptsache, es wird gearbeitet.
  2. Das Konkurrenzdenken ist groß. Viele gebrauchen ihre Ellenbogen auf dem Weg nach oben.
  3. Es hat in letzter Zeit viele Entlassungen gegeben. Alle stehen unter Stress.
  4. Vorgesetzte haben die unangenehme Angewohnheit, Mitarbeiter auch vor Dritten zu kritisieren.
  5. Gruppenbildung ist unter Mitarbeitern, aber auch bei Vorgesetzten stark verbreitet.
  6. Tuscheleien und Gerüchte bestimmen den Flurfunk. Es wird viel über andere gelästert.
  7. Das Management will keine Diskussionen. Entscheidungen werden schnell und autoritär gefällt.
  8. Statussymbole (Sekretariat, Notebook, Firmenparkplatz, Firmenwagen …) und Titel haben im Unternehmen einen hohen Wert.
  9. Lob und Anerkennung sind in unserem Unternehmen eher Fremdwörter.
Auswertung:

Sie mussten höchstens dreimal mit „Ja“ antworten? Dann scheint das Klima an Ihrem Arbeitsplatz in Ordnung zu sein. Intrigante Kollegen haben es schwer, da Offenheit und Kooperation überwiegen. Lesen Sie trotzdem weiter, wie Sie im Ernstfall eine Intrige erkennen und sich dagegen wehren könnten.

Haben Sie jedoch mehr als dreimal „Ja“ angekreuzt, haben Intriganten leichtes Spiel. Sie sollten wachsam sein. Vielleicht gibt es Kollegen, die sich verhalten wie Peter Besser in unserem Beispiel – und Sie verharmlosen die Anzeichen bisher.



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Schritt 2: Misstrauen Sie Gerüchten

Eine mächtige Waffe bei Intrigen sind Gerüchte. Vor allem Gerüchte über Alkoholprobleme, psychische Krankheiten, Mitgliedschaft in einer Sekte oder sexuelle Beziehungen/Avancen werden häufig als Waffe eingesetzt. Sind Sie nicht selbst Gegenstand eines Gerüchts, ist der richtige Umgang mit solchem Flurfunk heikel:

  • Einerseits wollen (und sollen) Sie Gerüchte offen missbilligen, besonders wenn damit Kollegen allerlei unterstellt wird. Reagieren Sie beispielsweise so: „Auf diesem Niveau sollten wir uns nicht über Herrn/Frau … unterhalten. Niemand weiß, ob dieses Gerede überhaupt stimmt. Lassen Sie uns bitte das Thema wechseln. Wie sieht es aus: Haben Sie schon gehört, wie dem Kunden die Präsentation gefallen hat?“

  • Andererseits haben Gerüchte oft auch einen Hintergrund und erfüllen eine Aufgabe. Gerade in Betrieben, in denen Mitarbeiter im Ungewissen gelassen werden, blühen die Gerüchte. Und das aus gutem Grund: Die Beschäftigten müssen sich ja an irgendetwas halten. In solchen Situationen könnte es töricht sein, wenn Sie den Flurfunk komplett ignorieren und nur darauf warten würden, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Wem nützt das Gerücht?

  • Für Ihren Berufsalltag heißt das: Halten Sie sich ruhig auf dem Laufenden darüber, was alles getratscht wird. Das heißt ja nicht, dass Sie alles glauben, was Ihnen zu Ohren kommt. Denken Sie aber daran: Tragen Sie ein Gerücht auf gar keinen Fall weiter!

  • Stellen Sie sich vielmehr bei jedem Gemunkel die Frage: Wem nützt das Gerücht? Wer kann davon profitieren? Wer hat einen Vorteil, wenn es geglaubt wird? Wer hat ein Interesse daran, dem Menschen, über den schlecht geredet wird, zu schaden?

Wenn Ihnen „ganz im Vertrauen“ etwas erzählt wird

  • Ebenso sollten bei Ihnen die Warnleuchten angehen, wenn Ihnen jemand eine vertrauliche Mitteilung nach dem Muster macht: „Ich darf es eigentlich nicht erzählen, aber …<“

  • Wer Geheimnisse ausplaudert, ist nicht vertrauenswürdig! Es ist deshalb keineswegs unhöflich, wenn Sie Ihr Gegenüber direkt unterbrechen: „Warum erzählen Sie es mir dann?“ Gibt es einen rationalen Beweggrund, werden Sie ihn ohnehin erfahren – andernfalls haben Sie die Indiskretion früh genug gestoppt.

Sich selbst aus Gerüchten herauszuhalten ist eine gute Basis, um selbst nicht zum Opfer zu werden. Es gilt: Wer viel tratscht, über den wird auch viel getratscht. Haben Sie den Eindruck, dass über Sie gelästert wird, gehen Sie in die Offensive: „Geht es um mich? Bestimmt kann ich zur Klärung beitragen!“

Schritt 3: Entlarven Sie Desinformation

Gezielt Gerüchte in die Welt zu setzen ist nur eine Methode der Desinformation. Eine andere ist das Vorenthalten von Informationen. Wenn ein Kollege Informationen an Sie regelmäßig nicht weiterleitet oder dies stets verspätet tut, ist es gut möglich, dass er Ihnen schaden möchte.

Eine weitere, sehr raffinierte Art der Desinformation besteht darin, dass Sie stets mit Informationen überschüttet werden. In der Fülle überflüssiger und belangloser Daten steckt dann die eine Aussage, auf die es ankommt. Sollten Sie diese nicht aufspüren, kann sich der Kollege immer damit rechtfertigen, Ihnen doch alle Informationen zur Verfügung gestellt zu haben.

Schritt 4: Ändern Sie die Spielregeln: Machen Sie dem anderen die Konsequenzen bewusst

Sie kennen jetzt die wichtigsten Machtspiele, deren sich intrigante Kollegen im Berufsleben bedienen. Nun geht es darum, angemessen auf die Provokationen zu reagieren. Dazu müssen Sie sich weder auf das Niveau Ihres Gegenspielers herablassen noch mit gleicher Munition zurückschießen. Aber: „Es ist keiner so klein, als dass er nicht ein Licht anmachen könnte.“ (Schweiz. Sprichwort)

Reden Sie ein „ernstes Wort“

Im Sprichwort bleibend: Sie können in der Gedankenwelt eines Intriganten ein neues Licht anmachen – indem Sie ihm höflich, aber bestimmt eine Kosten-Nutzen-Rechnung eröffnen. Orientieren Sie sich dabei an der Frage: „Was hätte mein Gegenspieler davon, wenn er sein intrigantes Verhalten einstellen würde?“

Im Eingangsbeispiel sollte Jörg Muster seinem Gegenspieler Peter Besser also die negativen Konsequenzen aufzeigen, die dessen Verhalten haben könnte – und im Anschluss daran gleich die Vorteile, die für diesen darin liegen, sein intrigantes Verhalten einzustellen:

Beispiel: Musterlösung

Unter vier Augen: „Herr Besser, unsere Zusammenarbeit ist so für mich nicht mehr haltbar, daher habe ich die letzten Monate schriftlich festgehalten, wie Sie mir durch mangelnde, fehlerhafte oder zu späte Informationen das Leben schwer machen ...

Ich möchte es nicht so weit kommen lassen, dass ich mich beim Chef über Sie beschwere. Wenn wir beide konstruktiv zusammenarbeiten würden, könnten wir schließlich viel bewegen. Überlegen Sie doch einmal, wie wir die Vorstände im Projekt xy überzeugen können und was das für Ihre Reputation bedeutet, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen ...


Die Machtdemonstration: So reagieren Sie stilvoll, wenn jemand seine Macht ausspielt

Demonstriert ein Vorgesetzter oder Kollege, wie viel Macht er über Sie hat, können Sie auf zwei Arten reagieren: Entweder Sie bleiben gelassen oder Sie setzen sich zur Wehr.

Gelassenheit ist immer dann angebracht, wenn sich die Machtdemonstration im Rahmen hält: wenn Ihnen Ihr Chef unbedingt zeigen will, dass er derjenige ist, der darüber bestimmt, ob Sie einen Dienst tauschen dürfen oder nicht; oder wenn ein Kollege, auf dessen Hilfe Sie angewiesen sind, Sie diese Abhängigkeit spüren lässt - etwa durch demonstrative Langsamkeit.
 
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Schritt 1: Üben Sie sich in Gelassenheit

Halten Sie sich in solchen Fällen an die Grundregeln des guten Stils, und lassen Sie Ihr Gegenüber gerade nicht spüren, wie unangemessen sein Verhalten ist. Bleiben Sie höflich, gelassen, freundlich – aber unnachgiebig in der Sache, wenn Sie diese denn weiter verfolgen wollen.

Beispiel: Ausweichen und spontane Themenwechsel

Anne Schnellig hat als Mitarbeiterin der Abteilung „Öffentlichkeitsarbeit“ eines mittelständischen Unternehmens einen Vorschlag für die Neugestaltung der Firmenzeitschrift erarbeitet. Im Vier-Augen-Gespräch will sie ihr Konzept mit dem Vertriebsleiter abstimmen. Sie setzt sich dabei überzeugend mit seinen Einwänden auseinander und wartet zum Abschluss nur noch auf sein O. K.

Das kommt aber nicht; stattdessen macht ihr Kollege eine Schublade auf, holt einen Ordner heraus und sagt: „Also Frau Schnellig, ich habe mir einmal die Pressemitteilungen angesehen, die in den letzten Wochen über unser Unternehmen erschienen sind. Mich ärgern zum wiederholten Male die Ausdrücke, die Sie da verwenden. Schauen Sie einmal hier …“



Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen

Für Anne Schnellig geht es nun darum, den Themenwechsel (= unfairer „Spielregelverstoß“ des Kollegen!) nicht zu akzeptieren, sondern das Heft des Handelns in der Hand zu behalten.

Sie sollte also mit einer höflichen, gelassenen Reaktion versuchen, das neue Thema zurückzustellen und ihr ursprüngliches Anliegen abzuschließen: „Wir sollten erst das Thema Firmenzeitschrift beenden, damit ich meine Arbeit daran fortsetzen kann. Den zweiten Punkt können wir anschließend besprechen. Das Beste ist, wir vereinbaren einen separaten Termin dafür.“

Schritt 2: Setzen Sie sich zur Wehr

Überschreitet Ihr Gesprächspartner eine Grenze, sollten Sie sich allerdings zur Wehr setzen. Diese Grenze liegt in der Verletzung Ihrer persönlichen Würde.

Fühlen Sie sich in Ihrer persönlichen Würde angegriffen, wird das Machtspiel so unfair, dass Sie den anderen in seine Schranken weisen dürfen – unabhängig davon, wer Ihnen gegenübersteht.

Beispiel (Forts.:)

Anne Schnellig störte es, dass der Vertriebsleiter sich schon zu Beginn ihres Gesprächs merkwürdig verhalten hatte. Als sie zum vereinbarten Zeitpunkt in sein Büro kam, schaute er kaum von seinen Papieren auf, sondern arbeitete zunächst einfach weiter.

Auch bot er ihr keinen Platz an dem kleinen Besprechungstisch im Raum an, sondern blieb beharrlich hinter seinem Schreibtisch sitzen, so dass sie – nach einer gewissen Wartezeit im Stehen – mit einem unbehaglichen Gefühl auf dem „Besucherstühlchen“ davor Platz nahm.



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Schritt 3: Beachten Sie die Körpersprache

Wer – wie der Vertriebsleiter im obigen Beispiel – sein Gegenüber unter emotionalen Druck setzen will, kann dies auch körpersprachlich zum Ausdruck bringen. Psychologen sprechen von Droh- oder Dominanzsignalen, die Personen aussenden, wenn sie ihre Macht demonstrieren wollen.

Die folgende Übersicht hilft Ihnen dabei, solche Signale zu erkennen und richtig einzuordnen.

Übersicht: Die häufigsten Droh- und Dominanzsignale im Arbeitsalltag
  1. Der Kollege lässt Sie als eintretenden Besucher warten, verzichtet auf Blickkontakt und arbeitet demonstrativ weiter.

  2. Er begrüßt Sie ohne Handschlag oder mit extrem festem Händedruck und versucht, Sie durch fixierenden Blickkontakt emotional einzuengen und zu irritieren.

  3. Er komplimentiert Sie mit einer "führenden" Handbewegung zu Ihrem Platz. Dieser ist zumeist wenig komfortabel (etwa mit dem Gesicht zu einer grellen Lichtquelle oder neben dem geräuschvollen Drucker).

  4. Er bleibt während eines Gesprächs beharrlich hinter seinem Schreibtisch sitzen, obwohl ein Besprechungstisch im Raum zur Verfügung steht.

  5. In Ihrem Büro setzt er sich hinter Ihren Schreibtisch und nimmt Unterlagen, Stifte oder persönliche Gegenstände in die Hand. Oder er baut sich hinter Ihnen und Ihrem Schreibtisch auf und inspiziert mehr oder weniger unverhohlen, was dort ausgebreitet ist.

  6. Er zeigt generell eine breite Haltung Ihnen gegenüber. Armlehnen (z. B. im Flugzeug) und Tische (z. B. in der Kantine) beansprucht er zu mehr als der Hälfte.

  7. Während Sie sprechen, schaut er demonstrativ weg oder tut andere Dinge (etwa im Kalender blättern oder am Computer hantieren).

  8. Er nutzt gern den gestreckten Zeigefinger, seine Brille oder Stifte, um damit - quasi als Angriffswaffe - auf Sie zu zeigen. Oder er steht während eines Gesprächs plötzlich auf und hält einen Monolog "von oben".

  9. Der Kollege versucht durch demonstrativen Blick auf die Uhr Zeitdruck auszuüben.

  10. Er klopft Ihnen gern demonstrativ auf die Schulter oder nimmt Sie - falls Sie eine Frau sind - in den Arm.
 


Schritt 4: Sprechen Sie das negative Verhalten an

„Das Geheimnis jeder Macht besteht darin, zu wissen, dass andere noch feiger sind als wir.“ – Was Ludwig Börne (1786-1837, dt. Schriftsteller) einst formulierte, heißt im Umkehrschluss: Haben Sie den Mut, das unangenehme Verhalten Ihres Gegenspielers anzusprechen und ihm zu sagen, was Sie stört!

Wenn Sie sich dabei gleichzeitig kooperativ und konsequent zeigen, agieren Sie nicht unhöflich, sondern entziehen dem Machtspiel stilvoll den Boden. Hilfreiche Formulierungen, die Ihnen für eine solche Reaktion zur Verfügung stehen, finden Sie in der folgenden Liste.

Formulierungsbeispiele:
  • „Herr Meyer, wir sind um drei Uhr zum Gespräch über … verabredet. Es ist jetzt genau 15:00 Uhr, wir sollten also beginnen.“

  • „Ich sehe, Sie schauen auf die Uhr. Wie viel Zeit steht uns denn noch zur Verfügung?" Oder: "Wie viel Zeit haben Sie für unser Gespräch eingeplant? “

  • „Herr Meyer, was halten Sie davon, wenn wir das Gespräch hier am runden Tisch führen? Dann kann ich Ihnen leichter die Unterlagen erklären. “

  • „An diesem Platz blendet mich das Sonnenlicht sehr. Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich mich auf die andere Seite setze? “

  • „Herr Meyer, ich habe es nicht so gern, wenn jemand sich an meinen Schreibtisch setzt. Bitte nehmen Sie doch hier vorn Platz. “

 



Beleidigungen müssen Sie nicht hinnehmen

Bild - Macht Manche Mitmenschen legen es darauf an, bei ihrer Machtdemonstration immer weiterzugehen, so lange, bis ihnen jemand Einhalt gebietet. Sie probieren - wie ein Kleinkind - aus, wie weit sich ihre Macht erstreckt, wie weit sich die anderen von ihnen einschüchtern lassen.

Wenn Sie sich in solchen Fällen zur Wehr setzen, erreichen Sie in der Regel mehr, als wenn Sie sich die Demonstrationen von Macht gefallen lassen. Sie brauchen auch nichts zu befürchten, wie das folgende Beispiel zeigt. Denn Sie verlangen nur etwas, das jedem Menschen zusteht: mit Respekt behandelt zu werden.

Beispiel (Forts. von Seite 5 und Musterlösung):

„Was sind Sie nur für ein Idiot, Emsig!“, poltert der Geschäftsführer. Herr Emsig erklärt mit fester Stimme: „Herr Boss, Sie vergreifen sich gerade im Ton. Die Beleidigung geht unter die Gürtellinie, für Sie bin ich ‚Herr Emsig'.“ – „Oh, entschuldigen Sie vielmals“, antwortet der Geschäftsführer hämisch. „Ich wusste nicht, dass Sie für Ihren Bockmist noch gelobt werden wollen.“

„Ich habe nichts gegen Kritik. Aber ich habe etwas dagegen, mich beschimpfen zu lassen.“ Herr Emsig steht auf. „Wir sollten das Gespräch fortsetzen, wenn Sie zu einem angemessenen Ton zurückgefunden haben“, sagt er und verlässt den Raum.



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Zweifelsohne erfordert es etwas Mut, jemandem, der Macht hat, derart entgegenzutreten. Doch es lohnt sich ganz gewiss. Denn der andere wird Sie, wenn Sie ihm Ihre Grenzen aufgezeigt haben, auch in Zukunft respektvoller behandeln.

Checkliste: Ändern Sie die Spielregeln im Machtspiel
  • Registrieren Sie die Indizien: Herrscht an Ihrem Arbeitsplatz ein Klima von Misstrauen und Konkurrenz?

  • Tragen Sie Gerüchte niemals weiter. Und fragen Sie sich bei jedem Gerücht: Wem nützt es?

  • Hinterfragen Sie das Verhalten von Kollegen, die Ihnen Informationen verspätet oder gar nicht zukommen lassen oder die Sie mit Informationen überschütten.

  • Haben Sie unfaire "Gegenspieler" identifiziert? Stellen Sie Ihnen eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf, und bewegen Sie sie so dazu, sich kollegialer zu verhalten.

  • Erkennen Sie Droh- und Dominanzverhalten, und ordnen Sie es in den Kontext des Machtspiels ein.

  • Nehmen Sie Machtdemonstrationen nur hin, wenn Sie sich innerhalb eines akzeptablen Rahmens bewegen.

  • Akzeptieren Sie zu weit gehende Machtdemonstrationen und Beleidigungen nicht. Steigen Sie aus dem Spiel aus, indem Sie das negative Verhalten höflich, aber direkt ansprechen (auch wenn es sich um Ihren Vorgesetzten handelt).

  • Bedenken Sie: Sie fordern nur den Respekt ein, der jedem Menschen zusteht. Und Sie werden "mächtiger", indem Sie Ihre Grenzen aufzeigen - und so einen niveauvollen Umgang am Arbeitsplatz sicherstellen.

 



Für diesen Auftritt wurden Bilder des Fotografen gradt, Sergey Rusakov und Lichtmaler aus der Bild-Datenbank Fotolia verwendet.


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Der aktuelle Knigge Kommentar

Rainer Wälde

Persönliche Wertschätzung zeigen durch liebevolle Details

Sehr geehrte Leserinnen,

sehr geehrter Leser,

 

am Wochenende war ich zu einer Hochzeit in der Nähe von Heilbronn eingeladen. Bereits am Eingang spürte ich, mit wie viel Liebe zum Detail Braut und Bräutigam ihren Festtag vorbereitet haben. In der Kirche lag auf jedem Gottesdienstprogramm ein besonderes Taschentuch – liebevoll mit einer Banderole versehen „Für die Freudentränen“.