Social-Media-Knigge: Wie Sie sich stilvoll im virtuellen Raum bewegen

Stilvoll im virtuellen Raum bewegen

Soziale Medien bieten neuartige Chancen zur Kommunikation, zur Selbstdarstellung und zur Unterhaltung. Sie bergen aber auch Risiken. Wer sich ungeschickt, zu formlos oder „zu privat“ im Netz präsentiert, riskiert negative Folgen: vom Ansehens- bis zum Arbeitsplatzverlust. Die 3 folgenden „goldene Regeln“ aus dem großen Knigge helfen, Derartiges zu vermeiden.

Quelle: Fotolia © ra2 studio

Welche Bedeutung soziale Medien

haben und warum ein Knigge

für diesen Bereich wichtig ist

„Hallo, hab mir mal Ihre Seite angeschaut und wollte Sie kontakten.“ Wenn ich beim Business-Netzwerk XING solche Kontaktanfragen bekomme, staune ich immer wieder: Wer, bitte, glaubt denn, auf diese Art einen neuen Netzwerkpartner gewinnen zu können? Ob sich der Absender einer solchen Anfrage darüber im Klaren ist, welches Bild er damit von sich vermittelt?

Bei mir kommt in einem solchen Fall in etwa diese Botschaft an: „Ich bin jemand, der stil- und wahllos Kontakte sammelt, um dadurch meine Wichtigkeit zu demonstrieren. Wer Sie sind, was Sie machen und warum Sie an einem Kontakt zu mir interessiert sein könnten, ist mir dabei völlig egal.“

Mit solchen Menschen möchte ich aber nichts zu tun haben. Und was sollten meine „bestätigten Kontakte“, also die Menschen, mit denen ich tatsächlich vernetzt bin und auf deren Meinung ich Wert lege, von mir denken, wenn ich solche „Kontakt-Junkies“ in mein Netzwerk aufnehme?

Das Internet ist keine benimmfreie Zone, auch wenn manche Menschen das offensichtlich glauben. Da gerade die sozialen Medien eine noch junge Erscheinung sind, herrscht aber auch bei ansonsten stilsicheren Menschen eine gewisse Unsicherheit darüber, welche Etiketteregeln dort gelten.

Was sind soziale Medien?

Die klassischen Medien (Radio, Fernsehen, Print) sind Einweg-Kanäle: Sie transportieren Inhalte hin zu ihren Nutzern. Die Nutzer haben kaum direkten Einfluss auf diese Inhalte. Das Internet bietet dagegen seinen Nutzern die Möglichkeit, gemeinsam und im gegenseitigen Austausch Inhalte zu schaffen, umzugestalten und zu verbreiten. Insofern hat es einen sozialen Charakter, es ermöglicht damit die Existenz sozialer (digitaler) Medien. Typische soziale Medien, die vor allem der Kommunikation mit anderen dienen, s

  • Blogs („Web-Tagebücher“),
  • Foren (z. B. moderierte Diskussionsforen zu diversen Themen) und
  • soziale Netzwerke (z. B. Facebook).

In sozialen Netzwerken und Foren können die Nutzer mit anderen Mitgliedern Dialoge führen, diskutieren, Fragen stellen oder von eigenen Erfahrungen berichten. Wo es mehr um die Schaffung und Verbreitung von Inhalten und Wissen geht, kommen als soziale Medien Online-Nachschlagewerke, die Wikis genannt werden (das bekannteste ist Wikipedia), und Podcasts zum Einsatz; Podcasts sind Video- oder Audio-Dateien, die interessierte Nutzer abrufen und auf dem heimischen Rechner anhören oder –sehen können. In diesem Beitrag aus dem großen Knigge konzentrieren wir uns auf den stilvollen Auftritt in sozialen Netzwerken. Die meisten Tipps gelten jedoch genauso für Aktivitäten in anderen sozialen Medien.

Warum Sie bei Aktivitäten in sozialen Medien auf stilsichere Umgangsformen achten sollten

Das Internet bietet enorme Freiheiten: Sie können dort mit allen möglichen Menschen in Deutschland oder auch weltweit in Kontakt treten, die Sie auf persönlichem Wege nie kennenlernen könnten. Sie können mit Gleichgesinnten oder auch kontrovers über alles diskutieren, was Sie interessiert: vom Hobby über den Beruf, über Politik und Religion bis hin zu Partnerschafts- und Erziehungsproblemen. Sie können Ihren Freundeskreis laufend mit Informationen aus Ihrem Leben beziehungsweise aus dem Ihrer Familie versorgen und so bestehende Beziehungen pflegen. Und das alles funktioniert schnell, preiswert, einfach und vergleichsweise formlos.

Aber Vorsicht: Die große Freiheit birgt auch große Risiken!

Natürlich geht es in virtuellen Netzwerken und anderen sozialen Medien spontaner und dadurch formloser zu als beispielsweise bei einem rein brieflichen Kontakt. Aber so ganz ohne Stil läuft es auch nicht ab. Zwar gleicht das virtuelle „Gespräch“ von seinem Charakter her dem persönlichen Gespräch, seine Streuwirkung und seine „Haltbarkeit“ sind aber wesentlich größer beziehungsweise länger. Diese Zwitterstellung zwischen persönlicher und schriftlicher Kommunikation erweist sich oft als tückisch.

Die Gefahr der Gedankenlosigkeit

Eine taktlose Bemerkung, eine unbedachte Äußerung, ein unvorteilhaftes Foto – all das kann in kürzester Zeit von einer riesigen Zahl anderer Nutzer oder „Freunde“ gelesen beziehungsweise gesehen werden. Sie werden vielleicht kopiert oder weiterverbreitet und entwickeln so eine Eigendynamik, von der wir im Gespräch von Angesicht zu Angesicht (glücklicherweise) weit entfernt sind. Wenn Sie Pech haben, ist Ihr Fauxpas noch viele Jahre später im Internet aufzufinden.

Jüngst machten 2 Vorfälle dieser Art Schlagzeilen. Zum einen der Betriebsratsvorsitzende der Frankfurter Rundschau, der zurücktreten musste, nachdem bekannt geworden war, dass er Kollegen, die nicht streiken wollten, per Facebook mit einem hässlichen Schimpfwort belegt hatte. Und zum anderen 5 Daimler-Arbeiter, die den „Gefällt mir“-Button bei Facebook auf einer Seite gedrückt hatten, auf der Daimler-Chef Dieter Zetsche explizit unter dem Oberbegriff „Lügenpack“ genannt wurde. Die Arbeiter wurden zum persönlichen Gespräch einbestellt – sie hatten Glück, dass es nicht zu einer Abmahnung kam.

In beiden Fällen hatten Dritte die Unternehmen über die Entgleisungen der Beschäftigten informiert. Inzwischen werden gerade die Business-Netzwerke von vielen Unternehmen aktiv zur Personalsuche genutzt. Wer hier präsent ist, entscheidet also mit seinem Auftritt und seinen Diskussionsbeiträgen mit darüber, ob er als aussichtsreicher Job-Kandidat gilt oder eben nicht. Genauso üblich ist es heute in vielen Unternehmen, Bewerber auf ihre Internet-Selbstdarstellung zu überprüfen. Die Fälle häufen sich, in denen „nach der Papierform“ eigentlich geeignete Kandidaten wegen peinlicher Party-Fotos bei Facebook oder in Form und Inhalt unangemessener Texte in irgendwelchen Foren oder Blogs aussortiert werden.

Um solche unliebsamen Wirkungen Ihrer Social-Media-Aktivitäten zu vermeiden, sollten Sie sich an diese 3 goldenen Regeln halten:

 

Regel 1: Bedenken Sie, dass im Internet nichts privat ist

Viele Social-Media-Nutzer betrachten ihre Aktivitäten als reine Privatsache, wenn sie nicht gerade im Auftrag ihres Unternehmens bloggen oder ein Podcast erstellen. Das ist ein Irrtum, und zwar einer, der dramatische Folgen haben kann. Im Internet ist nichts privat.

Jeder interessierte und technisch einigermaßen versierte Nutzer kann herausfinden, wo Sie aktiv sind und was Sie dort von sich preisgeben. Alles, was Sie online stellen, kann – für Sie unkontrollierbar – weiterverbreitet und einer großen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wenn die Weiterverbreitung einmal begonnen hat, können Sie für Sie Unvorteilhaftes und Schädliches nicht mehr löschen: Es bleibt für immer irgendwo im Netz. Die wichtigste Maxime für Internet-Aktive lautet daher: „Think, before you click!“ („Denke nach, bevor du eine Taste drückst“).

Das hat Auswirkungen auf die verschiedensten Bereiche:

Wählen Sie bewusst aus, in welchen sozialen

Medien Sie aktiv sein wollen

Natürlich werden Sie beispielsweise soziale Netzwerke in erster Linie nach dem Nutzen auswählen, den sie Ihnen bieten. Business-Netzwerke können beispielsweise für den Aufbau eines Expertenstatus', für das Knüpfen beruflich interessanter Kontakte und für den fachlichen Austausch sehr nützlich sein.

Eher private Netzwerke wie Facebook haben dagegen einen spielerischeren Charakter; sie bieten vor allem Unterhaltung und Abwechslung sowie lockere Kontakte zu allen möglichen anderen Menschen, die aus den verschiedensten Gründen für Sie interessant sind: vom ehemaligen Schulkameraden über die frühere Arbeitskollegin bis hin zu Leuten, die Sie persönlich gar nicht kennen, die aber zum Beispiel dasselbe Hobby haben wie Sie.

Die wichtigsten sozialen Netzwerke in Deutschland (Stand: 2011)

    1. Facebook: Weltweit über 500 Millionen aktive Nutzer, in Deutschland sind es knapp 20 Millionen.

        Selbstdarstellung: „Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“

    2. XING: Das größte deutsche Business-Netzwerk mit etwa 11 Millionen Nutzern weltweit, davon knapp 5 Millionen im deutschsprachigen Raum, die sich in 45.000 Fachgruppen austauschen. Bei XING sind neben Fach- und    Führungskräften auch viele Selbstständige aktiv. Eine der größten Gruppen ist „Gründer und Selbstständige“ mit knapp 90.000 Mitgliedern in Deutschland sowie der Freiberufler – Projektmarkt mit etwa 130.000 Mitgliedern.

        Selbstdarstellung:„XING ist das Business-Netzwerk, das für Sie arbeitet. Jederzeit.“

    3. LinkedIn: Nach eigenen Angaben das größte Business-Netzwerk der Welt mit rund 100 Millionen Nutzern, von denen knapp die Hälfte in den USA lebt sowie rund 1 Million in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Schwerpunkt liegt bei Fach- und Führungskräften sowie bei Hochschulabsolventen.

        Selbstdarstellung: „Über 100 Mio. Fach- und Führungskräfte nutzen LinkedIn, um Informationen, Ideen und Karriere- und Geschäftschancen auszutauschen.“

    4. Twitter: Diese Plattform versteht sich als „Informationsnetzwerk“, dessen Teilnehmer Kurznachrichten (Tweets) an andere interessierte Teilnehmer versenden können. In Deutschland hat Twitter etwa 2 Millionen Nutzer, darunter Prominente aller Bereiche, Selbstständige und Unternehmen.

         Selbstdarstellung: „Folge deinen Interessen. Was gibt es Neues in der Welt? Updates von deinen Freunden, von Prominenten und Experten in Echtzeit.“

     

    Ganz oder gar nicht

    Sobald Sie sich in einem dieser Netzwerke anmelden, sind Sie (zumindest) für andere Mitglieder auffindbar. Sie sollten daher darauf achten, sich angemessen zu präsentieren, und Ihr Profil entsprechend sorgfältig gestalten. Wenn Sie sich anmelden, sollten Sie auch aktiv sein. Ein nur halb ausgefülltes Profil, nur zwei Kontakte und gar keine sonstigen Aktivitäten erzeugen den unvorteilhaften Eindruck, Sie wüssten selbst nicht, was Sie in dem sozialen Netzwerk wollen, und seien nur dabei, um dabei zu sein. Wöchentlich 1 bis 2 Stunden Engagement sollten Sie schon einplanen.

    Entsprechend werden Sie normalerweise nur in einem oder zwei Netzwerken aktiv sein, die Sie für sich am nützlichsten erachten; Kommunikationsprofis nutzen vielleicht auch mehr, aber für die meisten Menschen dürfte es schlicht zu zeitaufwändig sein, sich in 5 Netzwerken zu engagieren.

    Trennen Sie berufliche und private Netzwerke

    In einem Business-Netzwerk präsentieren Sie sich selbstverständlich professionell, so wie Sie es im sonstigen Berufsleben auch tun. Sie stellen nur ein ansprechendes Foto vom Fotografen ein, das Sie in Business-Kleidung zeigt, und legen in der Selbstdarstellung Wert auf Ihren beruflichen Werdegang, Ihre Qualifikationen und Ihr Fachwissen. Die Kontakte, die Sie hier knüpfen, wählen Sie insbesondere nach fachlichen und berufsstrategischen Gesichtspunkten aus. Private Themen haben hier nur in Ausnahmefällen etwas zu suchen. Private Freunde, mit denen Sie beruflich nichts verbindet, sollten Sie deswegen auch nicht unbedingt in Ihr berufliches Netzwerk aufnehmen.

    In einem privaten Netzwerk legen Sie den Schwerpunkt natürlich anders: Sie stellen ein privates Foto ein – bitte trotzdem nur eines, das Sie vorteilhaft und stilvoll gekleidet zeigt. Hier können Sie freier über Interessen, Hobbys oder andere Freizeitaktivitäten schreiben und berufliche Themen völlig ignorieren. Im Prinzip können Sie hier jeden als Kontakt oder „Freund“ hinzufügen, den Sie dabeihaben möchten, ganz gleich woher Sie ihn kennen.

    Aber Vorsicht: Glauben Sie nicht, nur weil Sie Ihr Auftreten je nach Netzwerk unterschiedlich gestalten, könnten andere Nutzer die beiden Profile nicht zusammenfügen, um sich ein vollständigeres Bild von Ihnen zu machen! Ein zu freizügiger – vermeintlich privater – Auftritt kann Ihnen beruflich schaden. Ein absolutes Tabu ist es deswegen auch, im Internet Negatives über Ihren Arbeitgeber oder über Geschäftspartner zu schreiben.

    Der große Knigge-Expertinnen-Tipp: Nur ein Profil je Netzwerk

    Um authentisch zu bleiben, sollten Sie je Netzwerk auch nur ein Profil anlegen, nicht etwa ein „privates“ und ein „geschäftliches“. Diese Trennung können Sie in ein und demselben Netzwerk nicht durchhalten; sie stiftet deswegen meist Verwirrung und wirkt ein Stück weit unehrlich.

    Geben Sie keine vertraulichen Informationen preis

    Ein (gutes) Foto von Ihnen, Ihr Name sowie (für Ihre Kontakte bzw. „Freunde“) Ihre Adresse und Ihre Kontaktdaten sind unproblematische Inhalte. Manche Menschen wollen beispielsweise ihre Adresse nicht angeben. Achtung: Sofern diese Daten im Telefonbuch stehen, sind sie leicht herauszufinden. Wägen Sie ab, welche Kontaktdaten (E-Mail, Handy- Nummer, Geschäfts- und Privatadresse) Sie „Freunden“ und/ oder der Allgemeinheit zugänglich machen möchten.

    Der große Knigge-Tipp: Manche Experten empfehlen, überhaupt nur ein einziges Foto von sich online zu stellen und dieses für alle sozialen Netzwerke und sonstigen Aktivitäten zu verwenden. Ganz so eng sieht Herr Wälde Herausgeber des großen Knigge das nicht. Sie dürfen unterschiedliche Facetten von sich zeigen, sofern das Gesamtbild stimmig ist. Sinnvoll ist, sich auf wenige Bilder zu beschränken und diese mit Bedacht auszuwählen. Überlegen Sie: Zeigen die Bilder Sie so, wie Sie von anderen Menschen gesehen werden möchten?

    Beachten Sie: Fotos unterliegen dem Urheberrecht. Wenn Sie ein Bild von sich online stellen wollen, das ein Fotostudio gemacht hat, brauchen Sie unter Umständen dessen Einwilligung, sofern Sie kein eingeschränktes/<wbr>uneingeschränktes Nutzungsrecht vereinbart haben! Das gilt natürlich genauso für andere Bilder – selbst für welche, die sich bereits im Internet befinden und die Sie von dort herunterladen.

    Es genügt auch nicht, den Urheber anzugeben. Sofern Sie kein Nutzungsrecht vereinbart haben, muss der Urheber seine Einwilligung für die Verwendung des Bildes erteilen – und die wird er sich in aller Regel bezahlen lassen. Manche Portale bieten zwar kostenlose Bilder an, die sind jedoch meist nur für den privaten Gebrauch freigegeben. Sobald Sie beispielsweise mit Ihrem Blog auch nur die kleinste kommerzielle Absicht verfolgen, gilt er nicht mehr als privat. Sie sollten hier nichts riskieren: Urheberrechtsverletzungen können teure Abmahnungen nach sich ziehen.

    Über Ihre Interessen und Aktivitäten können Sie natürlich auch berichten – solange Sie damit keinen Imageschaden riskieren. Wenn Sie nebenher imkern oder Radrennen fahren, macht Sie das interessant. Wenn Sie sich für fernöstliche Sexualpraktiken interessieren oder besonders einfühlsam über die Psyche von Amokläufern schreiben, könnten Sie anderen aber suspekt vorkommen. Persönliche Probleme, sei es in Bezug auf Ihre Partnerschaft, Ihre pubertierenden Kinder oder sonstige familiäre Verstrickungen, würden Sie vermutlich nicht jedem erzählen, dem Sie auf der Straße begegnen. Dann gehören sie erst recht nicht ins Internet, wo sie jeder erfahren kann.

    Auch der Verlauf Ihrer Krankengeschichte ist kein Thema für Online-Darstellungen, es sei denn, Sie gründen gerade eine Selbsthilfegruppe. Auch dann sollten Sie sich aber fragen, ob Sie zum Beispiel wollen, dass Ihre Nachbarn oder Ihr Arbeitgeber Details über Diagnose, Therapie und Prognose Ihrer Erkrankung erfahren. Dasselbe gilt für Ihren Umgang mit Alkohol und Ihre Probleme, mit dem Rauchen aufzuhören oder abzunehmen.

     

    Faustregel: Stellen Sie nur Inhalte online, bei denen Sie die folgenden beiden Fragen mit Ja beantworten können:

    1. Ist es unproblematisch, wenn auch Ihr Chef diesen Inhalt liest?
    2. Ist es für Sie in Ordnung, wenn diese Meldung auch in zwei Jahren noch von allen Ihren Bekannten (und anderen) gelesen werden kann?

     

     

    Überprüfen Sie Ihre „Privatsphäre“-Einstellungen

    Die Netzwerke selbst möchten möglichst viele Inhalte für alle Nutzer auffindbar machen. Auch unter dem Gesichtspunkt der Selbst-PR ist es sinnvoll, die Öffentlichkeit an Ihren – für die Öffentlichkeit geeigneten – Äußerungen teilhaben zu lassen.

    Sicherer aber ist es, wenn Sie Ihre Mitteilungen und Kommentare nicht automatisch allen zugänglich machen, sondern die Sichtbarkeit auf den Kreis derjenigen Menschen beschränken, die Sie ausdrücklich als „Freunde“ bestätigt haben. Sie sollten deshalb überprüfen, welche Einstellungen zur Privatsphäre Ihnen in Ihrem sozialen Netzwerk zur Verfügung stehen, welche Sie bereits anwenden und welche Sie vielleicht zusätzlich nutzen sollten. Zu eng dürfen Sie die Regeln allerdings auch nicht fassen.

    Bei XING beispielsweise begegnen mir immer wieder Menschen, die eingestellt haben, dass, wer kein bestätigter Kontakt ist, ihnen keine Nachricht senden darf. Das aber widerspricht dem Daseinszweck eines sozialen Netzwerks – wie sollen denn Interessenten dann neue Kontakte zu ihnen knüpfen?

     

    Regel 2: Pflegen Sie Ihr virtuelles Netzwerk mit Stil

    Eines vorweg: Die Menschen, mit denen Sie sich in sozialen Netzwerken zusammenschließen, sind zunächst einmal nur solche, mit denen Sie gemeinsame Interessen verbinden.

    Ein beruflicher Kontakt ist genau das: eine Person, mit der Sie mehr oder weniger regelmäßig aus beruflichen Gründen in Kontakt treten. Ein Kontakt in einem privaten Netzwerk ist ein Mensch, mit dem Sie sich vorwiegend über nichtberufliche Themen austauschen.

    Sowohl in beruflichen als auch in privaten Netzwerken können Sie sich natürlich mit lieben Kollegen und Freunden vernetzen. Wenn jedoch auch Kunden oder Ihr Chef im selben privaten Online-Netzwerk sind wie Sie, sollten Sie lieber auf Freundschaftsanfragen verzichten. Ihr Chef mag noch so nett sein, es dürfte ihm unangenehm sein, Ihr „Freund“ zu werden. Sollte er die Anfrage aus durchaus verständlichen Gründen) ablehnen, ist das umgekehrt für Sie eine unangenehme Situation, die Sie leicht vermeiden können, wenn Sie erst gar nicht fragen. Selbst wenn Chef, Kunden oder Kollegen nicht ablehnen, könnte die Vermischung der Sphären und Hierarchien für beide Seiten peinlich werden.

    Abgesehen von diesem Personenkreis ist auch sonst bei Weitem nicht jeder Kontakt ein Freund. Facebook-„Freunde“ sind keine Freunde in dem Sinne, in dem wir das Wort sonst verstehen. Auch deswegen sollten Sie den Netzwerkpartnern gegenüber nicht zu viel von sich preisgeben – ihnen umgekehrt aber auch nicht zu viel zumuten.

    Nehmen Sie nicht jeden in Ihr Netzwerk auf

    Ob und mit wem Sie virtuell netzwerken, ist Ihre persönliche Entscheidung. Die Anfragen von Kontakt-Junkies oder Zeitgenossen, die Ihnen unsympathisch sind beziehungsweise an denen Sie einfach kein Interesse haben, dürfen Sie ablehnen. Das ist legitim und keineswegs unhöflich.

    Formulierungs-Tipp: „Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme. Ich nutze dieses Netzwerk überwiegend privat und bestätige nur die Kontakte, die ich bereits aus dem realen Leben kenne. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich Ihre Anfrage deswegen ablehne.“

    Entfernen Sie „Datei-Leichen“

    Meist kann man Kontaktanfragen auch ohne Nachricht ablehnen; das ist aber nicht gerade stilvoll. Andererseits gehört zur Netzwerkpflege auch, dass Sie einmal im Jahr Ihre Kontakte durchgehen und prüfen, mit wem Sie in den letzten zwölf Monaten überhaupt Nachrichten ausgetauscht haben. „Tote“ Kontakte können Sie auch ohne Benachrichtigung löschen, um ein unnötiges Aufblähen Ihres Netzwerks zu vermeiden.

    Halten Sie Kontakt, aber nerven Sie nicht

    Der Sinn eines Netzwerks ist es nicht, Kontakte zu sammeln und sie quasi museal zu verwahren, sondern es geht um die aktive Kontaktpflege. Sie sollten sich daher wenigstens ab und zu bei Ihren Netzwerkpartnern melden, für sie interessante Neuigkeiten berichten, zu Geburtstagen gratulieren usw.

    Zurückhaltend sollten Sie dagegen mit reinen Spaßmeldungen sein. Natürlich können Sie gelegentlich einen Cartoon oder einen Link zu einem witzigen YouTube-Film versenden, aber nicht jede Woche 2 davon, wenn Sie Ihre Kontakte nicht nerven wollen. Achten Sie auch darauf, mit vermeintlich Witzigem bei den Empfängern nicht anzuecken, was bei Themen, die Religion, Politik oder Weltanschauliches betreffen, schnell geschehen kann. Ketten- und Bettelbriefe sollten Sie gar nicht weiterleiten.

    Faustregel: Senden Sie Ihren virtuellen Freunden nur Botschaften, bei denen Sie sicher sind, dass sie ihnen nützlich und/oder willkommen sind.

    Beachten Sie: Wenn Sie für Ihre privaten Kontakte Bilder von der letzten Party ins Netz einspeisen, freuen sich die meisten – solange die Fotos nicht unangemessen sind. Sie selbst werden sich als stil- und reputationsbewusster Mensch ohnehin nicht mit roter Nase, trübem Blick und der Schnapsflasche in der Hand im Internet verewigen. Ihren Freunden und Bekannten sollten Sie das erst recht nicht zumuten. Das ist zum einen stillos, zum anderen gibt es auch ein Recht am eigenen Bild. Dagegen verstoßen Sie, wenn Sie Porträtaufnahmen anderer Menschen ohne deren ausdrückliche Einwilligung veröffentlichen. Im Business-Netzwerk oder -Blog sollten Sie noch stärker darauf achten, nur hochwertige Inhalte online zu stellen.

    Geeignet sind zum Beispiel

    • Rezensionen von Fachbüchern,
    • Veranstaltungs-Tipps,
    • Branchen-Neuigkeiten oder
    • Ergebnisse von Studien.

    Auch über eigene Projekte, Leistungen und Angebote dürfen Sie schreiben – solange die Mischung stimmt und das Ganze nicht in aufdringliche Selbstbeweihräucherung ausartet. Umgekehrt gehört es zum guten Ton, auf Nachrichten in sozialen Medien zeitnah zu reagieren. Wer Ihnen dort schreibt, erwartet, dass Sie noch am selben Tag, spätestens aber binnen 48 Stunden antworten. Das kann einen gewissen Druck erzeugen (ein Grund mehr, nicht zu viele soziale Netzwerke anzusteuern), es gilt jedoch inzwischen tatsächlich als unhöflich, erst nach 3 Tagen zu reagieren – das erfordert eine Entschuldigung und gegebenenfalls eine Erklärung.

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    Moderne geschäftliche Umgangsformen haben nichts mit der Frage zu tun, ob man zu anderen Menschen höflich ist oder nicht. Das ist eine Selbstverständlichkeit.

    Moderne Umgangsformen heute heißt: Sie wissen, in welcher Reihenfolge Sie Gäste unterschiedlicher Herkunft und Nationen stilvoll begrüßen. Wie Sie mit eigenen Fehlern souverän umgehen und Chancen statt Niederlagen daraus machen. Welche Kleidung zu welchem Anlass angemessen ist. Wie Sie mit unterschiedlichen Mitarbeitertypen kommunizieren. 

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    Regel 3: Wahren Sie auch online die gute Form

    Natürlich sind E-Mails oder Chat-Beiträge formloser als klassische Briefe, und gerade bei privaten Botschaften ist es im Internet üblich beziehungsweise erlaubt, näher an der gesprochenen Sprache zu schreiben.

    Emoticons (Smileys) sind durchaus nützlich, um eine Botschaft „zwischen den Zeilen“ zu übermitteln (etwa: „Das war jetzt aber nicht ernst gemeint, sondern ironisch“). Bei Abkürzungen wird es allerdings bereits kritisch. „Hdgl“ (für „Hab dich ganz lieb“) und „LG“ (für „Liebe Grüße“) sind bei SMS-Botschaften von Absendern unter 18 Jahren angemessen, danach bei einem einigermaßen stilbewussten Menschen nicht mehr – schon gar nicht im Business-Netzwerk.

    Anrede und Gruß gehören dazu

    Wenn Sie berufliche Kontakte anmailen, sollten Sie das nie ohne angemessene Anrede tun. Wenn Ihnen „Sehr geehrte Frau …“ zu förmlich ist, können Sie auch „Liebe Frau …“ oder „Guten Morgen, Frau …“ schreiben. Insbesondere bei Kontaktanfragen verwenden Sie selbstverständlich das höflich-distanzierte „Sie“. Unvermitteltes Duzen von Ihnen nicht oder nur flüchtig bekannten Personen ist im Business-Netzwerk ein Fauxpas. Hier sollten Sie sich an dieselben Gepflogenheiten halten wie im sonstigen Geschäftsleben: Der hierarchisch Ranghöhere bietet dem Rangniedrigeren das Du an (Kunden gelten als ranghöher), bei gleichgestellten Kollegen der Ältere dem Jüngeren. Auch für eine Grußformel sollten Sie online für geschäftliche Netzwerkpartner Zeit haben. Die Abkürzung „MfG“ gilt dabei nicht als höflich!

    Das große Knigge-Beispiel: In der Süddeutschen Zeitung war kürzlich zu lesen, dass ein Universitätsprofessor öffentlich verkündet hat, er werde E-Mails von Studenten zukünftig nur noch beantworten, wenn sie in der Form angemessen sind. „Hi Prof, wann schreiben wir Klausur?“ erachtete er nicht als angemessen. Das finde ich nachvollziehbar.

    Im eher privaten Netzwerk sollten Sie überlegen, wen Sie problemlos duzen können und bei wem Sie es im „richtigen Leben“ auch nicht ohne Einladung dazu tun würden. Auf Anrede und Gruß sollten Sie ebenfalls nicht verzichten, wobei diese im Privatbereich natürlich formloser ausfallen dürfen. Für ein „Hallo, Petra“ oder „Lieber Peter“ haben Sie sicher Zeit, und die Empfänger freuen sich über „Liebe Grüße“ oder ein „Bis bald!“.

    Geschäftliche E-Mails lesen Sie sicher Korrektur, bevor Sie auf „Senden“ klicken. Idealerweise tun Sie das zumindest im Business-Netzwerk auch. Kleinere Tippfehler werden dort zwar meist toleriert, aber eine Nachricht voller Rechtschreibfehler und unvollständiger Sätze macht keinen guten Eindruck, nicht einmal im privaten Netzwerk.

    Bleiben Sie im Ton immer freundlich

    Alles, was Sie online schreiben, kann von vielen Menschen gelesen werden. Deswegen sollten Sie immer ein positives und freundliches Bild von sich vermitteln. Zeigen Sie sich (auch) deswegen hilfsbereit, wenn jemand Sie um Informationen oder einen Gefallen bittet; helfen Sie mit Erfahrungen, Tipps und weiteren Kontakten. Wenn Sie selbst um etwas bitten, tun Sie das sowieso genauso höflich, wie Sie es von Angesicht zu Angesicht auch täten und wie es Ihrem Verhältnis zum Empfänger angemessen wäre.

    Auch wenn jemand sich selbst unhöflich verhält, etwa weil er eine Nachricht von Ihnen länger unbeantwortet lässt, werden Sie nicht ausfallend. Manche Menschen bekommen so viele Nachrichten, dass sie zwischendrin den Überblick verlieren. Dann schreiben Sie eben eine – immer noch freundliche – Erinnerungsnachricht. Selbst wenn jemand richtig unverschämt wird und beispielsweise aggressive Nachrichten an Sie schickt oder an Ihre virtuelle „Pinnwand“ heftet (solche Menschen heißen übrigens im Internetjargon „Trolle“): Lassen Sie sich nicht provozieren, sondern antworten Sie bestenfalls humorvoll. Ein höfliches „Ich finde Ihre Nachricht im Ton unangemessen und möchte daher inhaltlich nicht darauf eingehen“ ist auch in Ordnung.

    Seien Sie besonders vorsichtig, wenn Sie im

    Auftrag Ihres Arbeitgebers aktiv sind

    Manche Unternehmen haben erkannt, dass sie die Aktivitäten ihrer Mitarbeiter in sozialen Medien auch zu PR-Zwecken nutzen können. Es kann Ihnen durchaus passieren, dass Ihr Chef Sie bittet, in Ihrem Blog oder Netzwerk auch über Ihre Arbeit, Ihr Unternehmen und seine Produkte oder Leistungen zu schreiben. Dieser Bitte werden Sie sich nicht grundsätzlich entziehen können. Vielleicht möchten Sie sowieso über Ihre Arbeit schreiben, weil Sie sie interessant finden. Damit Sie sich nicht angreifbar machen, sollten Sie dann folgende 5 Regeln beachten:

    1.Stellen Sie klar, dass Sie als Privatperson schreiben. Etwa mit dem Hinweis: „Ich arbeite für die XY GmbH. Was ich hier schreibe, sind aber meine eigenen Meinungen und Erfahrungen; sie decken sich nicht immer mit den Ansichten meines Arbeitgebers.“

    2.

    Schreiben Sie positiv über Ihr Unternehmen. Wenn Ihr Chef Sie gerade schrecklich aufregt, der dritte Kollege einen Burnout hat, die Reklamationsquote dramatisch angestiegen ist und Sie außerdem Massenentlassungen befürchten, ist das nichts, was Sie aktiv verbreiten sollten.

     

    3.Seien Sie ehrlich. Werden Sie von anderen auf negative Themen angesprochen, können und sollten Sie antworten – ehrlich, aber diplomatisch. Schreiben Sie ruhig „Ja, wir haben gerade Schwierigkeiten mit …“, aber nicht „Das ist hier der letzte Saftladen!“.

    4.

    Plaudern Sie nicht zu viel aus. Firmeninterna, Geschäftsgeheimnisse, Strategiedebatten und vertrauliche Personalien gehören nicht ins Internet und sollten auf keinen Fall gerade durch Sie dorthin gelangen.

     

    5.Holen Sie nicht zu weit aus. Sie können in der Regel nicht das ganze Unternehmen und alle seine Aktivitäten überblicken. Sie können sachgerecht nur über das schreiben, was Ihr Arbeitsgebiet betrifft. Darauf sollten Sie sich auch beschränken und nicht etwa Dinge verbreiten, die Sie selbst nur aus der Gerüchteküche erfahren haben.


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    • Warum Sie lieber einmal zu viel als zu wenig grüßen sollten
    • Welche Grußfloskel Sie NIEMALS sagen sollten, wenn Sie nicht als TAKTLOS gelten wollen
    • Wann und wie Sie sich richtig bedanken und was Sie davon haben
    • Wie Sie sich verhalten, wenn Sie beim Chef eingeladen sind
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    Interview mit Rainer Wälde, Herausgeber des großen Knigge, zum Thema Social Media:

    Warum ist Etikette in sozialen Medien derzeit ein so wichtiges Thema?

    Viele Menschen sind noch unerfahren im Umgang mit Social Media und haben naive Vorstellungen davon, was den Datenschutz angeht. Um diese Medien richtig zu nutzen, muss man sehr genau wissen, was man tut und wie man es tut.

    Sie waren selbst bei XING sehr aktiv und sind es heute bei Facebook. Wie viel Privates geben Sie dort preis?

    Ich poste nur Berufliches, weil ich davon überzeugt bin, dass alles, was ich online stelle, im Internet unbegrenzt konserviert wird. Ich habe bei Facebook über 1.200 „Freunde“, von denen ich zwei Drittel nicht persönlich kenne; da haben Details aus meinem Privatleben nichts an der allen zugänglichen Pinnwand zu suchen.

    Ich veröffentliche keine Fotos aus dem Privatbereich, keine Familiengeschichten, allerhöchstens mal ein Highlight wie den zehnten Hochzeitstag. Es gibt ein paar wenige Freunde, mit denen ich mich privat austausche, aber dann nur per E-Mail und nicht über die Pinnwand.

    Meine Frau hat eine andere Strategie: Sie ist bei Facebook nur privat aktiv, akzeptiert nur „Freunde“, die sie persönlich kennt, und postet alles, was sie diesen Freunden auch im Café erzählen würde.

    Welche Etikette-Sünden stören Sie in sozialen Netzwerken am meisten?


    Nervig finde ich, wenn die Leute falsche Fotos oder gar keine Bilder von sich einstellen. Mir ist schon passiert, dass ich Freunde angeschrieben habe und bei unbekannten Namensvettern gelandet bin.

    Gerade bei jüngeren Nutzern gibt es welche, die das Bild eines Fotomodells oder Schauspielers als Profilbild wählen. Ältere sind manchmal mit Bildern im Internet präsent, die zehn oder 20 Jahre alt sind. Wenn man die dann persönlich kennen lernt, bekommt man ja einen Schock!

    Was ich auch nicht mag, ist, wenn ich mit Werbung oder Spielen zugeschüttet werde. Es gibt da beispielsweise einen Buchhändler, der an jeden meiner Einträge umgehend eine Buchempfehlung heftet, die man natürlich direkt bei ihm bestellen kann. Das finde ich sehr unangenehm. Viele schicken reine Werbe-E-Mails, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist. Mir haben sogar schon Leute Werbung für Knigge-Seminare gesendet, die brauche ich nun wirklich nicht!

    Ein anderer, ein IT-Dienstleister, schickt mir als seinem Kunden ständig Aufforderungen, bei irgendwelchen Spielen mitzumachen. Das ist nett gemeint, wirkt auf mich aber schon fast unseriös.

    Darf man so lästige Zeitgenossen als Kontakte einfach löschen oder Nachrichten von ihnen blockieren?


    Ja, natürlich. Wer andere mit Werbung oder unpassenden Nachrichten belästigt, wird kommentarlos aus den Kontakten entfernt. Spammer darf man ohnehin beim Netzwerkbetreiber melden – und das sollte man auch tun.

    Bei Facebook herrscht eine Du-Kultur. Duzen Sie Ihre „Freunde“?

    Nein. Das sind berufliche Kontakte, und die sieze ich. Ausnahme sind nur Kollegen, da unter Filmemachern und Journalisten das Duzen üblich ist. Wenn Leser mir schreiben, duzen sie mich manchmal. Das dürfen sie auch, sie sind ja meine Kunden. Aber ich antworte dann neutral oder per Sie – weil ich mich als Dienstleister für sie begreife.

    Haben Sie selbst schon einmal einen Fauxpas in sozialen Medien begangen?

    Einmal beinahe. Ein Kollege von mir war auf dem Bundespresseball und hat Fotos von dort online gestellt. Leider war er nicht korrekt gekleidet, was mich zu einem etwas ironischen Kommentar verleitet hat. Als ich den an seiner Pinnwand gelesen habe, bin ich aber selbst erschrocken und habe ihn schnell wieder gelöscht. Beinahe hätte ich den Kollegen an den sozialen Pranger gestellt, obwohl das gar nicht meine Absicht war.

    Welchen Rat geben Sie den Lesern des großen Knigge für den Umgang mit sozialen Medien?

    Seien Sie ehrlich und authentisch, bauen Sie sich keine falsche virtuelle Identität auf. Achten Sie außerdem darauf, wertschätzend zu kommunizieren und andere nicht zu verletzen. Gerade humorvoll Gemeintes kann verletzend wirken. Sie sollten jedem Ihrer Netzwerk-„Freunde“ in die Augen sehen können, wenn Sie ihn im realen Leben treffen, und sich nicht für das schämen müssen, was Sie ihm geschrieben haben.

     

    Der große Knigge-Extra-Tipp zum Schluss: 1.000 Freunde – und trotzdem einsam 

    Vergessen Sie neben dem virtuellen Austausch die realen Treffen nicht. Digitale, soziale Medien erleichtern es, in virtuellem Kontakt zu bleiben. Sie können den persönlichen Kontakt aber nicht ersetzen.

     

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